Donnerstag, 24. Juli 2025

Ein Verdacht, der hängen bleibt

Ein Verdacht, der hängen bleibt

Wie die AfD vor Gericht verlor – und warum das kein Skandal ist, sondern ein Warnsignal




Neulich beim Frühstück. Neben Kaffee, Kinderchaos und Nachrichten lese ich: Die AfD darf weiterhin vom Verfassungsschutz beobachtet und öffentlich als „Verdachtsfall“ benannt werden. Ich kaue. Auf meinem Brot liegt Käse. Auf dem Bildschirm liegt die Demokratie. Dick belegt mit Urteil, 83 Seiten stark, serviert vom Bundesverwaltungsgericht. Guten Appetit.

Die AfD hatte geklagt. Gegen den bösen Staat, der sie – so ihre Erzählung – politisch bekämpft, mundtot machen will, der mit „Geheimdiensten“ auf sie zielt. Klar. Wenn der Spiegel zu hässlich wird, dann ist er bestimmt staatlich verzerrt. Oder woke. Oder beides.

Aber was war wirklich los?

Dienstag, 15. Juli 2025

Du bist, was Du isst. Und was Du trainierst.

Bio-KI 

Neulich auf dem Wochenmarkt in Wesseling. Zwischen Käsewürfeln und Kirschtomaten bleibe ich an einem Stand stehen, der aussieht wie ein Regenbogen aus Obst und Gemüse. Dahinter Gerd Hass, drahtig, wettergegerbt, Augen, die jede Paprika persönlich zu kennen scheinen. Neben ihm Carmen Odenthal, die so souverän die Kasse bedient, als handle sie nicht mit Zucchini, sondern mit Edelsteinen.


Ich habe eine Melone getragen

.

Gerd erzählt mir, dass er jede Woche rund 800 Kilometer durchs Rheinland kurvt – Neuss, Kaarst, Düsseldorf, Jülich. Alles für ein Ziel: die beste Ware nach Erftstadt, Wesseling oder Köln zu bringen.

„Die Melone da vorne“, sagt er, „kommt übrigens von deutschen Bauern, die nach Valencia ausgewandert sind. Schmeckt besser als alles aus’m Supermarkt.“

Ich beiße rein. Ergebnis: Explosion. Sonne, Süße, Saft. So schmeckt Leben.

Zwischen Melonen und Maschinen: Qualität entscheidet

Ich stehe also mit Melonensaft am Kinn und denke:

Donnerstag, 10. Juli 2025

Politik ist das Managen von Ambivalenz. Und Köln ist Weltmeister darin.


Politik bedeutet oft, sich in Räume vorzuwagen, in denen die Zielkonflikte so groß sind, dass eigentlich gar nichts mehr geht.

Aber dann kommt Köln um die Ecke und sagt: „Mach dir nix draus, mir kriege dat schon hin.“

Nirgendwo zeigt sich das besser als am größten Wirtschaftsfaktor dieser Stadt: dem Kölner Dom.

Alles eine Frage der Perspektive und des Strahlengangs


Der Kölner Dom – Wirtschaftswunder mit Fragezeichen

  • bis zu 8 Millionen Besucher jährlich (vor Corona)

  • jährlich über 120–150 Mio. € Wirtschaftswert (Tourismus, Gastronomie, Handel, Spenden)

Samstag, 5. Juli 2025

Leben im Geben 3: Yvonne Contier – Eine Frau, die leuchtet

Neulich saß ich in einer Bankreihe in der Markuskirche in Köln-Porz, während das Sonnenlicht in bunten Streifen durch die Fenster fiel.

Vorne, im Talar, stand Yvonne. Sie hielt ihre Predigt als Prädikantin in Ausbildung. Mit ruhiger Stimme sprach sie vom Regenbogen – nicht nur als biblisches Zeichen, sondern auch als Symbol für Vielfalt, für das Bunte, das Köln so besonders macht.

Fotos: Attila "Warumduscher" Radnai

Und ich dachte: Woher nimmt ein Mensch diese Kraft?

Yvonne Contier kenne ich schon seit vielen Jahren. Wir waren mal Kollegen – und aus der Kollegschaft wurde Freundschaft. Dann kam das Leben dazwischen: 

Samstag, 21. Juni 2025

WhatsApp bekommt Werbung – und deine Daten einen Preis

Eines Tages prüft dich ein Scanner – und entscheidet, ob du reisen darfst.



Eine Freundin von mir wollte in den Iran reisen. Vor dem aktuellen Krieg. Beim Einreiseversuch sollte sie ihre Social-Media-Konten vorzeigen (so wie es jetzt auch die USA eingeführt haben).

Der Beamte zeigte auf einen alten WhatsApp-Status von vor zehn Jahren – eine harmlose politische Anspielung. „Warum haben Sie das geschrieben?“

Die Einreise wurde verzögert. Es war das erste Mal, dass ihr ein digitales Fragment aus der Vergangenheit zum Verhängnis wurde.

Da sitzt du in einem Flughafenbüro – und dein zehn Jahre alter Chat entscheidet über deine Freiheit.


WhatsApp, Werbung und Wir – Warum du nicht hilflos bist

WhatsApp ist der stille Infrastrukturminister unseres Alltags:

  • Elternabende

Dienstag, 10. Juni 2025

2 Drohnen? Lächerlich! Erst ab 1000 Drohnen wird es interessant. Und vielen Königinnen.

Stell dir vor: Ich, mit meinen zwei mickrigen Drohne im Garten, sehe voller Entsetzen auf Wangerooge Hier betreiben Frau und Herr Besseling eine Belegstelle für Bienenköniginnen . Mit tausenden von Drohnen! 

Klar bin ich nicht wirklich neidisch. Denn während ich mit DJI Drohnen unterwegs bin, kümmern sie sich um biologische. Also männliche Bienen.

Doch was genau passiert da? Eine Belegstelle ist ein geschützter Ort, an dem junge, noch nicht begattete Königinnen gezielt mit reinrassigen Drohnen einer bestimmten Bienenrasse zusammengebracht werden. Quasi eine Art Liebesclub mit Schwänzeltanz statt Diskofox.

Die isolierte Lage (Insel oder Hochgebirge) sorgt dafür, dass keine fremden Drohnen dazwischenfunken – so bleibt die Bienen-Linie sauber. Denn Drohnen fliegen nicht über Wasser. Kurz gesagt: Die Besselings auf Wangerooge helfen, unsere Honigbienen nachhaltig zu züchten.

Bienen und unsere Ernährung

Ohne Bienen geht’s uns schlechter: Insektenbestäubung sichert unsere Nahrung. Tatsächlich hängen rund 85 % der Landwirtschaftserträge im Obst- und Gemüsebau allein in Deutschland von der Bestäubung durch Honigbienen ab. Weltweit sind sogar drei von zehn Löffeln Essen, die wir genießen, den Bienen zu verdanken. Fast 80 % aller Nahrungspflanzen – von Äpfeln bis Zucchini – brauchen Bienen oder andere Insekten, um Früchte zu tragen. Die Biene gehört damit neben Rind und Schwein zu den drei wichtigsten Nutztieren unserer Volkswirtschaft.

Donnerstag, 22. Mai 2025

Microsoft kürzt Lizenzen. Gates will 200 Milliarden spenden. Und dein Verein? Der darf jetzt zahlen.

Ein Konzern. Zwei Welten. Und irgendwo dazwischen: dein Kegelverein, der nur wissen will, wie man das Sommerfest protokolliert.




Es klingt wie ein Witz mit drei Akten:


Akt 1:

Microsoft streicht den kostenlosen Zugang zu Business Premium für Non-Profits.

„Sorry Leute, aber gute Software kostet halt – auch für ehrenamtliche Bienenzüchter aus Bielefeld.“


Akt 2:

6.000 Mitarbeiter:innen weltweit fliegen raus.

Künstliche Intelligenz braucht schließlich keine Kantine.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Sony WH-1000XM6: Die Krone sitzt fester – aber auch teurer

Die sechste Generation von Sonys Noise-Cancelling-Flaggschiff ist da – der WH-1000XM6. Und ja: Sony bleibt sich treu. Wieder ein Schritt nach vorn, wieder alles ein bisschen besser. Nur das Portemonnaie wird dabei nicht geschont. 






Der Klang? Noch mal verfeinert. Die Mitten klarer, die Bühne breiter, die Höhen luftiger. Das ANC? Jetzt so gut, dass du das Quietschkonzert in der Linie 16 komplett auf Mute setzen kannst – inklusive Babygeschrei und Bremssymphonie.

Gute Nachricht für alle, die den XM4 vermisst haben:
Der XM6 ist endlich wieder klappbar. Nach dem starren XM5 also nicht nur ein klangliches, sondern auch ein praktisches Upgrade. Dazu gibt’s: weichere Materialien, kleiner dimensionierte Ohrmuscheln, samtige Soft-Touch-Oberfläche und ein magnetisch schließendes Etui – schick, aber kein Gamechanger.

Dienstag, 20. Mai 2025

Leben im Geben 2: Andreas Altena - Geschichte, Verantwortung und Gemeinschaft

 
Laudatio zum 50. Geburtstag von

Andreas Altena


Ein Leben für Geschichte, Verantwortung und Gemeinschaft

2. Teil meiner Poträt-Reihe: Leben im Geben


Einleitung

Mit großer Bewunderung blicken wir auf das Lebenswerk von Andreas Altena – einen Mann, der sein Berufsleben wie auch seine Freizeit ganz in den Dienst der Gemeinschaft und der Geschichtsbewahrung gestellt hat. Als gebürtiger Stolberger, der heute in Köln lebt, verbindet Andreas Altena Heimatverbundenheit mit weltoffener Neugier. In seiner fachlichen Karriere bei den deutschen Berufsgenossenschaften und in seinem ehrenamtlichen Engagement in der Geschichtsvermittlung hat er nachhaltige Spuren hinterlassen. Dieser feierliche Blogpost würdigt sein Wirken und zeichnet den Weg eines Menschen nach, der mit Leidenschaft, Fachwissen und Bescheidenheit die Vergangenheit für die Zukunft erhält.

Donnerstag, 15. Mai 2025

Reisen mit Router – Wie der GL.iNet Beryl AX unser digitales Familienleben rettete

Wenn du mit zwei Kindern, einem Netflix-abhängigen Ehepartner (ich) und einem halben Büro im Rucksack durch Europa fährst, gibt es genau zwei Möglichkeiten: Entweder du verlierst den Verstand – oder du nimmst den GL.iNet Beryl AX (GL-MT3000) mit.





Ein kleines Gerät, große Wirkung – gerade für Familien auf Roadtrip

Unser Bulli war voll: Kindersitze, Kabel, Tablets, E-Reader, Streaming-Boxen, Laptops.
Und der ewige Satz: „Papa, warum geht das WLAN nicht?“
Der Beryl AX wurde unsere Rettung. 

Donnerstag, 1. Mai 2025

Fiese Masche: Autoverkauf mit Spätfolgen

 

Ich wollte nur mein Auto verkaufen. Jetzt bin ich Tatverdächtiger in drei Bundesländern.




04. April 2025, 19:50 Uhr. Ein stinknormaler Freitagabend. Ich stehe vor meiner Tür, drücke einem Rumänen den Autoschlüssel in die Hand – und denke: „Wieder einer dieser Facebook/Mobile/Kleinanzeigen-Marktplatz-Schnapper, 300 Euro in bar für ein Auto ohne TÜV, passt schon.“
Tja. Spoiler: Hat nicht gepasst. Gar nicht.

Verkauf abgeschlossen – Ärger fängt an

Die Jungs kamen mit einem Autotransporter. Drei Mann, einer davon über 60, zwei jüngere, einer davon redet mit mir über „sein Kumpel, Ford-Werk Köln-Niehl, gute Arbeit, schnelle Reparatur“.

Montag, 21. April 2025

Leben im Geben 1: Mihály Gara – Ein Leben für andere

Eine persönliche Würdigung und Nachruf - mit Bildern, Stationen & Erinnerungen. Magyar forditás / Ungarische Version: Gara Mihály – Egy élet másokért


Am 31.05.2025, dem Tag nach Himmelfahrt, trat Mihaly Gara seine persönliche Himmelfahrt an.
Wir sind in tiefer Trauer. 

Kondolenzen:
Schriftliche Kondolenz an die Familie kann adressiert werden an:
Lászlo Gara, c/o Attila Radnai, Rodderweg 14b, 50999 Köln
Passend zur Technikbegeisterung von Mihaly gibt es auch ein Digitales Kondolenzbuch 

Spenden:
Beteiligung an einer Großspende für einen mildtätigen Zweck im Sinne von Mihaly Gara (Zoo-Tickets für Kinder im Kinderheim) sowie Unterstützungen der ungarischen Familie bei den Bestattungskosten werden auf der Gedenkfeier gesammelt oder können per Paypal an Attila Radnai übermittelt werden (Verwendungzweck: Spendenpool Mihaly Gara). Die Aufteilung erfolgt 1:1.

Kontakt zur Familie: familie-gara@radnai.net 

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Vorrufe statt Nachrufe: Warum wir einander zu Lebzeiten feiern sollten – und wie mir ChatGPT dabei die Augen geöffnet hat

Prompt in ChatGPT: 

 

Schreibe im Schreibstil von http://www.warumduscher.com einen Blogpost. Du kündigst dabei an, dass Du die Deep Research Funktion von ChatGPT getestet hast. Menschen sollten nicht nur Nachrufe, sondern auch Vorrufe haben.

Mihaly Gara

Ergebnis:
Neulich habe ich etwas getestet, das mir nicht nur den Kopf, sondern auch das Herz verdreht hat: die neue Deep Research Funktion von ChatGPT. Klingt erstmal nach einem Feature für Leute mit zu viel Zeit und einem Abo bei "Scientific American", ist aber in Wirklichkeit wie eine Mischung aus Detektiv, Biograf und bester Freund mit Internetzugang. Ich hab’s ausprobiert – und bin jetzt offiziell nicht mehr derselbe.

Bisherige Beiträge in dieser Reihe:

  1. Mihaly Gara - Ungarischer Helfer aus Essen (Nachruf)
  2. Andreas Altena - Geschichte, Verantwortung und Gemeinschaft

Aber von vorn.

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen erst dann so richtig gefeiert werden, wenn sie schon nicht mehr mitfeiern können. Nachrufe – alle lieben sie. Die letzten Worte, die besten Taten, ein Leben in der Retrospektive, druckreif auf den Punkt gebracht. Nur: Warum zur Hölle machen wir das immer erst danach?

Ich sage: Wir brauchen Vorrufe!

Lebensbejahende, unverschämt ehrliche, gerne auch ein bisschen überschwängliche Texte, die Menschen feiern, während sie noch atmen, lachen und Kaffee verschütten können. Warum warten, bis jemand gegangen ist, um dann zu sagen, wie großartig sie oder er war?

Und genau hier kommt mein Selbsttest ins Spiel.

Mit ChatGPTs Deep Research habe ich mir ein Vorruf-Profil schreiben lassen – für jemanden, der mir nahesteht. Und verdammt: es war nicht nur akkurat, sondern auch emotional. Lebensdaten, Geschichten, Zitate, kleine Macken – alles da. Kein Algorithmus der Welt kann echte Liebe ersetzen, klar. Aber dieses Tool kommt verdächtig nah dran, wenn man ihm Herz und Kontext mitliefert.

Das Resultat? Eine Art digitaler Hochruf. Kein Pathos, kein Filter, nur echte Worte für einen echten Menschen – im Jetzt.

Also: Schreibt euren Freund:innen Vorrufe. Lasst eure Eltern wissen, was sie wirklich bedeuten. Verpasst euren Lieblingskollegen einen Text, den sie eigentlich erst nach dem Ruhestand bekommen würden. Es ist kein Nachruf, es ist ein Vorruf – und er gehört ins Leben, nicht ins Archiv.

Danke, Deep Research. Danke, ChatGPT. Und danke an alle, die da draußen noch sind.

Meta-Kommentar von ChatGPT:

Wenn du auch mal jemanden feiern willst, bevor es zu spät ist – ich zeig dir, wie’s geht. Spoiler: Es braucht nur ein paar ehrliche Gedanken und ein bisschen Mut. Und vielleicht ein Chatbot mit Gefühl.


Kommentar Warumduscher: Ich bin baff und komme mir wie ein Blogsaurier vor. Aber immerhin: Der Initalfunke stammt immerhin von mir. Er kam mir als ich mit meinem Onkel Michael/Mihaly in seiner Wohnung war, die er wegen Umzug in ein Seniorenheim bald auflösen muss. Da stecken so viele Erinnerungen drin, dass das in meinen Augen mehr als nur einen Vorruf verdient. Aber einer ist besser als keiner: Mihaly Gara - ein Leben für andere

Wem würdest Du einen Vorruf widmen wollen?


Leben im Geben 4: Michael - Feuerwehrmann und Lifecoach

 

Michael - Feuerwehrmann in Düsseldorf
Wisst Ihr, wer auf meiner letzen Kreuzfahrt die unglücklichste Person zu sein schien? Es war eine Jungerwachsene aus der ersten Klasse. Ich stand hinter ihr als sie an der Rezeption wiederholt in Tränen ausbrach, während sie eine Beschwerde nach der anderen vorbrachte.

Aus meiner Sicht waren es Nichtigkeiten oder gar Frechheiten, die sie da einforderte (z.B. dass aus ihrem Recht am eigenen Bild auch das Recht an allen von ihr gemachten Fotos resultiere, zumal sie ja All-Inklusive gebucht habe). Ich stempelte sie schnell als „Rich Girl“ ab, die keinen Cent zu dieser elternfinanzierten Reise zusteuert (und ja: 1h Gespräch mit ihrer Mutter bestätigten das). 

Erst im Nachgang verstand ich: Sie weinte hier einem Wunschbild hinterher. Ihre Eltern arbeiten beide viel und hart. Deshalb sollte für sie diese knappe Urlaubszeit perfekt werden. Das hatte sie bei vielen Influencern auf Insta 

Dienstag, 30. November 2021

E-Auto im Test: Polestar 2

Der Polestar 2 ist ein vollelektrisches Auto aus dem Volvo-Konzern. Ich durfte ihn letztens in Köln auf eine Probefahrt mitnehmen. Warum er nicht mein nächstes Auto wurde, aber vielleicht das übernächste, erfahrt Ihr in meinem Testbericht.


 Hier das vollständige Video:



Die technischen Daten und Ausstattungsvarianten könnt Ihr Euch alle auf der Polestar-Homepage anschauen. Ich fasse für mich zusammen: Für schnelle Fahrten von A nach B reicht die Motorisierung locker aus. Ich hatte das Single-Drive Modell ohne Allrad und auch das kann einen gut in die Sitze pressen, wenn man sich auf dem Beschleunigungsstreifen der Autobahn-Auffahrt von vorsichtigen 40 Kurven-km/h per Kickdown innerhalb weniger Sekunden vor einen Brummi setzen will.

Montag, 29. November 2021

Papa-Prioritäten - Management von Job, Familie und Gedöns

Karriere oder Kinder? Wo setzen wir die Priorität? Diese und weitere wichtige Fragen warf letztens der Fotograf David Grigo aus Köln in einem Post auf. In diesem Beitrag spüre ich meinen persönlich Antworten auf dieses wichtige Thema nach.


David ist Vater von 3 Kindern, wobei die beiden jüngsten auch noch Zwillinge sind. Deshalb hat nochmal einen ganz besonderen Blick auf die Priorisierung. Deshalb hat er auch entsprechend gute Fragen zum Thema:

  • Wenn zwei Kinder schreien, wem helfe ich?
  • Karriere oder Kinder?
  • Lasse ich meine Kinder fremdbetreuen oder möchte ich lieber so viel Zeit wie möglich mit Ihnen verbringen?
  • Wenn mein Kind nur auf mir schlafen kann, lasse ich es dann, auch wenn ich dann schlechter schlafe?

Mir gefiel dabei besonders, wie er voller Liebe die tollen Priorisierungsfähigkeiten seiner Frau betonte. Sie ist heute wie er Fotografin, aber hatte schon vor ihren Kindern früher mal als Kellnerin mit vielen Menschen zu tun, die mit eingeschränkter Empathie gleichzeitig nach ihrer Aufmerksamkeit verlangten. Seine eigenen hinterfragte er dagegen kritisch. Damit konnte ich mich gut identifizieren.

Lasst uns kritisch sein - aber nicht zu sehr

Es gilt jedoch auch: Lasst uns als „neue“ Väter nicht zu kritisch gegenüber unserer Rolle und Fähigkeiten sein. Wir sind an der Spitze eines Kultur- und Gesellschaftswandels. 

Das alte patriarchale Ernährermodell unserer Eltern- und Großelterngeneration schwindet langsam. Unsere Frauen sind besser ausgebildet denn je. Somit verdient die Gesellschaft, dass auch ihre Teilhabe an Erwerbsarbeit größer wird denn je. Alles andere wäre Verschwendung von Talenten und Bildungsressourcen. 

Moderne Väter können auch toll "kochen"

Wir Väter entdecken dafür, wie toll es ist, auch dank Elternzeit mit Elterngeld, einen größeren Anteil an Erziehungs- und Beziehungsarbeit zu übernehmen. Und auch - gerne vergessen - einen größeren Anteil an der Haushaltsarbeit. 

Hier lerne ich  beim Priorisieren täglich neues. Denn selbst wenn es hierfür aus dem Beruf gewisse Grundvorbereitungen gibt, bringt hier die Realität deutlich komplexere Situationen als man in Postkorbübungen im Assessment Center unter Anwendung der Eisenhower-Matrix je zum Einsatz lässt. 

Mama als Krankenschwester. Papa als Krankenschwester.

Was, wenn am Tag einer wichtigen Vorstandspräsentation zum Projektbudget oder einem Businessshooting das Kind krank wird? Trotz aller Modernität ist da immer schnell die Frage im Raum: 

Kann hier nicht mal wieder die Mama einspringen? 

Meine Antwort lautet dann meistens:
Nein, kann sie nicht!

Die liebende Mama ist nämlich Strafverteidigerin und hat heute vor Gericht einen Termin in dem es um die Verteidigung von Menschen gegenüber der mächtigsten und stärksten Institution auf dieser Erde geht: dem Staat. Was würde mein Vorstandsvorsitzender sagen, wenn seine eventuelle U-Haft in Unschuld verlängert werden müsste, weil seine Anwältin absagen müsste, um sich um die Rotznase des Kindes zu kümmern, die heutzutage einen Ausschluss von der Kita-Betreuung bedeutet?

Während das Kind nebenan Handball spielt,
macht Papa Werbefotos für Schwedenautos.

Haben da Shootings oder Marketingprojekte wirklich Vorrang?


The struggle is real - Gender Pay Gap prägt Aufgabenverteilung auch in 2021

„Fun“ fact: Rein ökoonomisch wäre das bei uns sogar so: Der Gender Pay Gap ist mehr als real. Trotz formal geringerer Ausbildung ( ich: Abi und abgebrochenes Politologie-Studium; sie: 2. jur. Staatsexamen und 2 Fachanwaltstitel), verdiente ich lange auf Vollzeit gerechnet ca. 20% mehr als die beste Ehefrau von allen. 

Warum? Die Feminismus- und Genderforschung hier ganz klar: Sie hat eine Gebärmutter und ich nicht. Dieses Organ und die daran geknüpfte gesellschaftliche Rolle bringen sie und ihre Chefs dazu, auf ihr Gehalt einen „Risikoabschlag“ auf Mutterschaft vorzunehmen.

Betriebswirtschaftlich erscheint es logisch. Volkswirtschaftlich ist es kritisch. Zivilgesellschaftlich sehe ich es als himmelschreiende Ungerechtigkeit. 

Es wäre familienökonomisch für uns mit 2 Kindern sinnvoll, wenn sie mehr Erziehungszeit, mehr Teilzeit und mehr Familienzeit machen würde. Denn nicht erst beim Bezug von Lohnersatzleistungen ist mein Beitrag zum Familieneinkommen höher. 

Sagen Menschen auf dem Sterbebett: Hätte ich mal mehr gearbeitet und weniger Zeit mit der Familie verbracht?

Diese Frage ist ein wichtiger Leitstern in meinem Leben. Denn dank ihm kommt immer wieder besagte Prio ins Spiel: Was ist mir und uns wichtiger? Geld oder eine gerechte Aufteilung der Familienaufgaben?

Bis zu einem gewissen Grundniveau ist die Antwort klar. Aber was, wenn Miete, Hypothekenzahlungen und Grundbedürfnisse dank des Doppeleinkommens gedeckt sind?

Optimiert und husselt man dann weiter, um einen großen Puffer für Wohneigentum, eine flexible  und ökologische Familienfahrzeugflotte, immer teurere Familienurlaube in teuren Ferienzeiten und die  steigenden Technikanforderungen heutiger Schule aufzubauen?

Für mehr Entspannung als Papa: 
Der richtige Stuhl
Oder verzichtet man auf Geld und verbringt als Papa lieber mehr Zeit mit den tollsten Menschen der Welt? Kümmert sich um ihre Wehwehs, aber auch mehr um ihr „Wow wow, was ist das, Papa“?  Teilt die bezahlte Elternzeit von 14 Monaten fair mit 7 zu 7 auf - auch wenn die Deckelung des Elterngeldes beim Papa mehr schmerzt als bei Mama. 

Ich habe mich für diesen Weg entschieden. Er ist keineswegs leicht. Aber er fühlt sich im Bauch absolut richtig an.

Wenn ich mit meinen Jungs Hand in Hand am Freitag nachmittag zum Supermarkt gehe, weil die Mama bei einer Pflichtfortbildung ist, platzt mein Herz vor Glück und Stolz.

Und ich bin mir dessen als Privileg bewusst,  Eins das mein Papa mit viel Arbeit im Außendienst nie hatte. Im Gegensatz zu ihm habe ich meinen Hauptjob als Manager bei der Plusnet GmbH auf 80% reduzieren können. Sicher ein Vorteil von der Einbettung in Konzerne wie EnBW, die mit fast 25.000 Mitarbeiter:innen einfach viel familienfreundlicher sind als das kleine 3-Personen-Startup im Hinterhof. Als Sidepreneur-Fotograf bin ich ebenfalls zeitsouveräner und flexibler als viele meiner Vollzeitwettbewerber. 

Das fällt einem nicht zu. Alles hat seinen Preis. Man bezahlt alles irgendwie in Form von (Lebens)Zeit, (Lebens)Qualität oder (Lebens)Budget. Schaue ich neidisch auf jemanden, der von einem mehr zu haben scheint, übersehe ich schnell, was sie/er dafür im Tausch opfern musste oder opfern wird.



Mein Fazit: Ich bin froh, dass wir Väter und Mütter mit viel mehr Selbstverständlichkeit unsere Aufgaben in Familie und Beruf fairer aufteilen. Das ist nichts, was einem leicht oder was einem zufällt. Es muss auf vielen Seiten ausgehandelt und organisiert werden. Das Ergebnis lohnt sich aber für mich: Eltern, die  beide für ihre Kinder da sind und moderne Rollenvorbider abgeben können. Gleich ob für Töchter, Söhne oder diverse. Das Leben ist bunt und wer in der Rush Hour des Lebens weniger arbeitet, hat  am Ende mehr davon.

Was wäre Dein Fazit? Mehr Arbeiten oder mehr Leben?

Donnerstag, 16. September 2021

3 Wege zur besseren Digitalisierung von Schulen

Unsere Schule im Land der Dichter und Denker ist wie das Land selber: überbürokratisiert und unterdigitalisiert.




Oh Mensch. Ich schicke als Vater eines Zweitklässlers unserer Schuldirektorin immer sooooo viele tolle Vorschläge, was man mit digitalen Tools alles machen kann. Warum nimmt diese nicht alle sofort begierig auf? Da haben Lehrer:innen schon soviel Ferien und nur einen Halbtagsjob und dann das....

Falsch! Wer hier gefällig genickt hat, sollte eigentlich nochmal zurück auf die Schulbank. Empathie 5-. Versetzung gefährdet.

Den Blick fürs Ganze nicht verlieren


Vielmehr weiß ich, dass es nicht am fehlendem Interesse an dem Thema liegt. Es liegt daran, dass man als Direktor:in mindestens 20 Jobs noch höher priorisierte Aufgaben für die 16 Wachstunden am Tag herumjongliert.

Also Jobs als
  • engagierte Lehrerin
  • repräsentierende Direktorin
  • inspirierende Führungskraft
  • pfiffige Marketing-Leiterin
  • umsichtige Hygiene-Expertin
  • betreuende Sozialarbeiterin
  • resolute Kinderschützerin
  • weltgewandte Reiseorganisatorin
  • immer mehr gernervte Bauleiterin
  • gebildete Bibliotheksleiterin
  • unterhaltende Eventmanagerin
  • unterfinanzierte IT-Managerin
  • überbürokratisierte Einkäuferin
  • vorausschauende Bankkauffrau
  • unfreiwillige Amtsschimmelbespaßerin
  • multivernetzendes Gremienmitglied
  • respektiertes Gemeindemitglied
  • rührige Haushaltsmanagerin
  • fürsorgliche Mutter
  • liebende Partnerin
  • geliebte Tochter
  • beliebte Freundin
und noch sicher welche, die ich hier vergessen habe.
Denkt immer dran: Je nach Alter und Bedarf des Kindes kann einen schon alleine der Elternjob voll ausfüllen.

Wenn wir also für die tolle Arbeit von Krankenschwester, Ärzt:innen, Feuerwehrleuten oder Flut-Ersthelfer:innen geklatscht haben, dann dürfen wir es recht für die Erzieher:innen, Lehrer:innen, Pädagog:innen der OGS und eben die Direktor:innen tun.



Feuerwehrleute der Freiwilligen Feuerwehr üben den Ernstfall. Foto: Attila Radnai




Was tun? Mehr Internet?


Was hilft noch mehr als der Seelenbalsam von Applaus?
Was sind die eigentlichen Hemmschuhe für digitale Transformation von Schulen und Unterricht?

Mehr Breitband, mehr digitale Whiteboards, digitale Lerngeräte in Klassenstärke, WLAN überall auf dem Schulgelände?
Ja, ja, ja, ja und ja.

Das sind jedoch am Ende nur Werkzeuge, die nicht im Vordergrund stehen dürfen. Das schreibe ich, obwohl mein Arbeitgeber Plusnet zu den führenden Anbietern im Bereich von professionellen Breitbandanbindungen gehört und von mehr Glasfaser in Schulen profitierte.

Am Ende des Tage gilt immer noch:

A fool with a tool is still a fool

Wie machen wir es besser?


Hier kommen daher 3 Vorschläge, die in meinen Augen viel wichtiger Engpässe aufgreifen:

  1. Eine Stundenzeiterfassung für Beamt:innen mit Zeitausgleich. Man glaubt es nicht, aber sie arbeiten auch in den Ferien sehr viel und haben dann am Ende keinen "normalen" Urlaubsanspruch mehr. Viele schieben einen großen Berg an über 200 Überstunden vor sich her. Wie soll man auf YouTube Videoanleitungen über Hybrid-Unterricht anschauen, wenn man keine Luft dafür hat?
  2. Ein Personalschlüssel, der mit einem realistischen 120% Ansatz wirklich Zeit für Weiterbildung in Fragen digitaler Transformation pädagogischer Arbeit erlaubt und nicht bei faktischen 80-90% schön langsam in den Burnout führt.
  3. Der Einsatz von externen Berater:innen wie z.B. Die Schulgestalter oder Die Schulverbesserer, die um all das oben genannte wissen und mit externem Wissen um erprobte Strategien, Kommunikationspläne und erst am Ende auch digitalen Tools den Eltern, Lehrern:innen, internen Schulberater:innen und Schüler:innen zur Seite stehen.

Was denkst Du? Was würdest Du bei der Top 3 noch ergänzen?`


Donnerstag, 29. Oktober 2020

Hürtgenwald - Wanderung mit Irrwegen

Wie eine einstündiges Wanderung zu einer Tagestour mit Ende im stockdunklen Hürtgenwald wurde.

Im Oktober 2020 hatte es mich in den Hürtgenwald verschlagen. Diese eine Eifel-Region liegt südöstlich von Aachen. Sie ist davon geprägt, dass Ortsfremde deutlich länger als geplant zur Durchquerung brauchen. Das galt sowohl für mich wie auch die Amerikaner im 2. Weltkrieg. 



Dienstag, 9. Juni 2020

Tag der Forts 2020 - Einfälle statt Ausfälle



Am 7.6.2020 fand der 17. Tag der Forts statt. 

„Waaaas wollt Ihr machen?“ war meine erste Reaktion, als ich erstmal im April 2020 hörte, dass Anfang Juni Live-Führungen hinter meterdicken Festungswänden gestreamt werden sollten. Es sollten dazu noch Drohnenaufnahmen von Anlagen gemacht werden, die  unter Denkmalschutz stehen und teilweise in Flugverbotszonen liegen. 

Für sowas stellen SWR oder WDR millionenteure Ü-Wagen-Technik ab und wenden zig Personenjahre für die Produktionsplanung inkl. Genehmigungsmanagement auf. 

Diese Idee war verrückt, vermessen und chancenlos. 
Ich war sofort Feuer und Flamme.





Mittwoch, 15. Januar 2020

Meine Lieblingspodcasts. Sie machen aus mir einen besseren Menschen.

Die Sonne knallt vom Himmel. Ich liege regungslos im Sand. Aufstehen wäre jetzt keine gute Idee. Denn um mich herum tobt eine große Schlacht zwischen Elfen, Zwergen, Hobbits, Trollen, Orks und weiteren Bewohnern Mittelerdes. Ich hoffe, dass ich hier lebendig als Beobachter herauskomme. Dann spüre ich auf einmal, wie eine Flüssigkeit an meinem Arm entlang fließt. Ist es Blut? Meins? Das eines anderen? Nein, es ist kalt. Ziemlich kalt sogar. Mensch, wer ärgert mich da? Ich öffne blinzelnd die Augen und blicke in das schmunzelnden Gesicht meiner Partnerin, die neben mir am Strand von Cala Millor auf Mallorca liegt. Sie fragt, ob wir dem Melonen-Mann etwas abkaufen wollen. Ich ziehe die Kopfhörer ab, halte die Herr der Ringe CD im Discman an und bin wieder in der Realwelt angekommen. 

Ich war schon immer leidenschaftlicher Zuhörer. Sowohl zum Entfliehen in fremde Welten, aber vor allem auch zur Aufnahme neuer Informationen. Bei meinen frühen Walkmans war es mir wichtig, dass diese nicht nur Kassetten aufnahmen, sondern auch ein Radio eingebaut hatten, mit dem ich aktuelle Beiträge hören konnte.