Samstag, 29. August 2026

Einmal Costa Rica quer durch – oder: Wie viele Klimazonen passen eigentlich in einen Urlaub?

(Beta-Pre-Publishing für Maren)

 

Einmal Costa Rica quer durch – oder: Wie viele Klimazonen passen eigentlich in einen Urlaub?

Einmal Costa Rica quer durch – oder: Wie viele Klimazonen passen eigentlich in einen Urlaub?

Es gibt Reisen, bei denen man zwei Wochen am selben Strand liegt und irgendwann anfängt, die Kellner an der Poolbar nach Dienstplan zu unterscheiden.

Und es gibt Costa Rica.

Unser Plan für knapp drei Wochen war jedenfalls das ziemlich genaue Gegenteil von Erholung durch Bewegungslosigkeit: einmal quer durchs Land, von der Karibik bis an den Pazifik. Regenwald, Vulkane, Nebelwald, wilde Tiere, Strände, Flüsse – und vier Menschen samt Gepäck in einem Mitsubishi ASX.

Was sollte schon schiefgehen?

Das Faszinierende an Costa Rica ist dabei weniger seine Größe. Mit rund 51.000 Quadratkilometern ist das Land nicht einmal besonders groß. Nordrhein-Westfalen plus ein bisschen Rheinland-Pfalz, grob gesprochen.

Nur dass zwischen Aachen und Koblenz normalerweise keine Vulkane brodeln, Affen durch die Bäume springen und man nicht morgens an der Karibik frühstückt, um ein paar Tage später im Pazifik zu stehen.

Unsere Reise sollte genau diese Vielfalt zeigen.

Nicht Costa Rica von einem Resort aus.

Sondern Costa Rica einmal quer durch.

San José: Ankommen, Auto übernehmen, los

San José war für uns zunächst vor allem eines: der Punkt auf der Karte, an dem die Reise begann.

Flug überstanden. Gepäck da. Familie vollständig. Mietwagen vorhanden.

Damit waren bereits erstaunlich viele zentrale Voraussetzungen für einen gelungenen Familienurlaub erfüllt.

Unser eigentlicher Startpunkt lag im Raum Alajuela, direkt bei San José und damit praktisch am Flughafen. Die Hauptstadt selbst spielte bei dieser Reise keine Hauptrolle. Wir wollten raus.

Und zwar ziemlich konsequent.

Denn gleich die erste richtige Station zeigte, dass Costa Rica mit klassischen Roadtrip-Regeln eher locker umgeht.

Nach Tortuguero fährt man nämlich nicht einfach.

Irgendwann hört die Straße auf.

Tortuguero: Wo selbst Google Maps irgendwann aufgibt

Tortuguero liegt an der Karibikküste und gehört zu den Orten, bei denen die Anreise bereits Teil des Erlebnisses ist.

Straßen gibt es dort nämlich keine.

Der letzte Teil der Strecke führt mit dem Boot durch ein Netz aus Flüssen und Kanälen hinein in den Regenwald.

Spätestens hier wird klar, dass Costa Rica offenbar beschlossen hat, seine Natur nicht vorsichtig am Straßenrand zu präsentieren.

Man fährt mitten hinein.

Unsere Basis war die Pachira Lodge, mitten im Grün und damit ziemlich genau dort, wo man bei einem Costa-Rica-Urlaub vermutlich sein möchte.

Der Tortuguero-Nationalpark ist besonders für seine Meeresschildkröten bekannt. Die Tiere kommen hier zur Eiablage an die Strände. Gleichzeitig sind die Wasserwege Lebensraum für Affen, Kaimane, Vögel und ungefähr alles andere, was man seinen Kindern vorher in irgendwelchen Naturdokumentationen gezeigt hat.

Nur dass jetzt niemand mehr vorspulen kann.

Der spannende Punkt für mich: Eine Reise, die noch am Flughafen mit Gepäckband und Mietwagenschalter begonnen hatte, fühlte sich innerhalb weniger Stunden plötzlich ziemlich weit weg von Europa an.

Kein Verkehr.

Keine Straßen.

Stattdessen Boote, Wasser und Regenwald.

Costa Rica hatte beschlossen, nicht lange mit Smalltalk aufzuhalten.

Sarapiquí: Erst Schokolade. Dann sehen wir weiter.

Von der Karibikküste ging es wieder zurück ins Landesinnere Richtung Sarapiquí.

Unsere nächste Basis war die La Quinta Sarapiquí Lodge.

Die Gegend ist geprägt von Regenwald, Landwirtschaft und Flüssen. Und sie verbindet zwei Dinge, die auf den ersten Blick nicht zwingend zusammengehören:

Kakao.

Und Wildwasser.

Eine Kakao-Tour gehörte deshalb ebenso zu unserer Planung wie Rafting.

Das finde ich grundsätzlich sympathisch.

Man könnte einen Tag schließlich auch mit Museumsbesuch und anschließendem Kaffee verbringen.

Oder man lernt zunächst, wie aus einer ziemlich unscheinbaren Frucht Schokolade entsteht, und setzt sich danach in ein Schlauchboot, um einen Fluss hinunterzufahren.

Andere Länder, andere Freizeitpädagogik.

Gerade diese Mischung sollte sich während der ganzen Reise immer wiederholen: Costa Rica bietet Natur nicht nur zum Anschauen an.

Man steht mittendrin.

Man läuft hindurch.

Man fährt darauf.

Man hängt darüber.

Und manchmal wird man vermutlich einfach komplett nass.

La Fortuna und Arenal: Der Vulkan, den jemand für ein Kinderbuch gezeichnet hat

Wer Costa Rica googelt, landet ziemlich schnell bei ihm:

dem Arenal.

Ein fast bilderbuchartig geformter Vulkan, der über der Region rund um La Fortuna steht.

Der Arenal war lange einer der aktivsten Vulkane der Welt. Seit 2010 befindet er sich in einer Ruhephase. Das macht ihn für Besucher natürlich deutlich angenehmer, aber nicht unbedingt weniger beeindruckend.

Unsere Tage rund um La Fortuna sollten deshalb wieder eine Mischung aus Bewegung und Natur werden: Wanderungen, Hängebrücken, Regenwald und die vulkanisch geprägte Landschaft.

Und dann gibt es noch einen angenehmen Nebeneffekt von Vulkanen:

heißes Wasser.

Thermalquellen gehören rund um La Fortuna praktisch zur touristischen Grundausstattung. Während unter der Erde geologische Prozesse stattfinden, auf deren detaillierte Erklärung ich im Urlaub normalerweise verzichten kann, sorgt dieselbe Energie an der Oberfläche für angenehm warmes Wasser.

Geologie kann erstaunlich serviceorientiert sein.

Gerade der Arenal steht für etwas, das mich an dieser Route besonders gereizt hat: Die Landschaft verändert sich ständig.

Ein paar Tage vorher waren wir noch in den Wasserwegen von Tortuguero unterwegs.

Jetzt standen wir plötzlich vor einem Vulkan.

Und wir waren noch lange nicht fertig.

Rincón de la Vieja: Wenn der Boden anfängt zu kochen

Der nächste Vulkan machte deutlich, dass Vulkan nicht gleich Vulkan ist.

Rincón de la Vieja liegt im Nordwesten Costa Ricas und ist geologisch deutlich weniger zurückhaltend.

Hier dampft es.

Es blubbert.

Es riecht gelegentlich nach Dingen, deren Ursprung man lieber nicht genauer analysieren möchte.

Fumarolen, heiße Quellen und Schlammlöcher zeigen ziemlich direkt, dass unter den eigenen Wanderschuhen weiterhin einiges passiert.

Der Name bedeutet übersetzt ungefähr „Ecke der alten Frau“ und geht auf eine indigene Legende zurück.

Was sehr friedlich klingt.

Bis der Boden neben einem anfängt zu kochen.

Für diese Station hatten wir zusätzlich einen deutlich höheren Action-Anteil vorgesehen: Zipline, Reiten, Tubing und andere Aktivitäten, die touristische Anbieter gerne unter dem harmlosen Sammelbegriff „Adventure“ zusammenfassen.

Ich vermute, „Wir befestigen Sie an verschiedenen Dingen und schauen, ob Sie Spaß haben“ wäre marketingtechnisch schwieriger.

Nach Regenwald und Vulkanlandschaften war diese Station jedenfalls der Punkt der Reise, an dem Natur und Freizeitparkgefühl besonders eng zusammenkommen sollten.

Nur dass die Kulisse hier echt ist.

Tamarindo: Jetzt machen wir mal kurz Urlaub vom Urlaub

Nach mehreren Stationen mit Booten, Vulkanen, Flüssen und Regenwald kam irgendwann der Moment, an dem wir etwas dringend brauchten:

einen Strand.

Tamarindo liegt an der Pazifikküste der Halbinsel Nicoya und gehört zu den bekanntesten Bade- und Surforten Costa Ricas.

Und ja, Tamarindo ist touristischer als viele andere Orte unserer Route.

Aber das war hier kein Nachteil.

Im Gegenteil.

Ein Roadtrip braucht Pausen.

Man muss nicht jeden Morgen um sieben Uhr vor einem Tier stehen, das laut Reiseführer besonders selten ist.

Man darf auch einfach einmal aufs Meer schauen.

Tamarindo sollte genau dieser bewusste Tempowechsel sein: Pazifik, Strand, Sonnenuntergänge und zwischendurch vielleicht die erstaunliche Erkenntnis, dass Urlaub manchmal sogar dann funktioniert, wenn gerade überhaupt nichts geplant ist.

Außerdem hatten wir damit eines unserer kleinen Reiseziele erreicht:

Wir waren auf derselben Reise sowohl an der Karibik als auch am Pazifik gewesen.

Von einem Weltmeer zum anderen.

Mit zwei Kindern.

Im Mietwagen.

Klingt im Nachhinein deutlich romantischer als vermutlich während einzelner Fahrtabschnitte.

Monteverde: Costa Rica schaltet den Nebel ein

Danach ging es wieder nach oben.

Monteverde.

Der Nebelwald.

Schon der Begriff klingt ein bisschen so, als hätte jemand bei der Entwicklung eines Computerspiels noch schnell eine zusätzliche Landschaft gebraucht.

Tatsächlich entsteht hier durch die Höhenlage ein völlig anderes Ökosystem als in den tiefer gelegenen Regenwäldern.

Feuchtigkeit hängt permanent in der Luft.

Wolken ziehen durch den Wald.

Moose, Farne und Pflanzen wachsen praktisch überall dort, wo sie etwas finden, woran sie sich festhalten können.

Unsere Basis sollte Jaguarundi sein.

Geplant waren unter anderem Hängebrücken und eine Nachtwanderung.

Gerade auf diese Kombination war ich gespannt.

Tagsüber sieht man im Wald schon erstaunlich wenig von dem, was dort tatsächlich lebt.

Nachts wird daraus vermutlich ein ziemlich effizienter Test, wie viele Geräusche ein Mensch gleichzeitig hören kann, ohne genau wissen zu wollen, wer sie verursacht.

Costa Rica besitzt rund sechs Prozent der weltweiten Artenvielfalt auf weniger als 0,04 Prozent der Landfläche der Erde.

Das ist eine dieser Zahlen, die man lesen kann.

Oder man geht nachts mit einer Taschenlampe in einen Nebelwald.

Ich vermute, Variante zwei bleibt länger hängen.

Manuel Antonio: Sieht leider wirklich so aus wie auf den Fotos

Manuel Antonio gehört zu den bekanntesten Nationalparks Costa Ricas.

Und genau das macht mich bei Reisezielen normalerweise erst einmal misstrauisch.

Wenn ein Ort auf jedem zweiten Instagram-Account auftaucht, stellt sich irgendwann die Frage, ob man dort noch Natur erlebt oder hauptsächlich Menschen fotografiert, die Natur erleben.

Andererseits gibt es Orte, die aus einem ziemlich einfachen Grund ständig fotografiert werden:

Sie sehen tatsächlich so aus.

Manuel Antonio verbindet Regenwald mit Pazifikstränden und einer außergewöhnlich hohen Tierdichte.

Affen.

Faultiere.

Leguane.

Vögel.

Und dazwischen Besucher, die versuchen, gleichzeitig nach oben in die Bäume und nach unten auf ihre Füße zu schauen.

Das dürfte eine der Stationen sein, bei denen Costa Rica nahezu alle klassischen Erwartungen gleichzeitig erfüllt.

Tropischer Wald.

Exotische Tiere.

Weißer beziehungsweise heller Strand.

Pazifik.

Palmen.

Fehlt eigentlich nur noch jemand, der einem eine Kokosnuss reicht.

Uvita und Ojochal: Das große Finale

Für die letzten Tage ging es weiter die Pazifikküste hinunter nach Süden.

Unsere Basis lag bei Ojochal beziehungsweise Uvita, in den Villas en el Bosque.

Die Region rund um den Marino-Ballena-Nationalpark ist besonders für einen Besucher bekannt, der regelmäßig deutlich mehr Platz benötigt als wir im Mitsubishi:

Buckelwale.

Die Küste vor Uvita gehört zu den wenigen Regionen der Welt, in denen Buckelwale aus unterschiedlichen Populationen zu verschiedenen Jahreszeiten beobachtet werden können.

Whale Watching war deshalb eines der großen geplanten Naturerlebnisse zum Ende unserer Reise.

Und vielleicht passt genau das gut als Finale.

Man beginnt eine Reise mit kleinen Booten in den Kanälen von Tortuguero.

Und beendet sie auf dem Pazifik auf der Suche nach einem Tier, das bis zu 30 Tonnen wiegen kann.

Costa Rica kann offenbar auch bei der Dramaturgie.

Zurück nach Alajuela: Der Kreis schließt sich

Irgendwann führt jeder Roadtrip wieder zurück zum Flughafen.

Unsere letzte Nacht sollte deshalb erneut im Raum Alajuela stattfinden, diesmal im Pibi Boreal.

Das Auto wieder in Richtung San José.

Koffer packen.

Die letzten Dinge zusammensuchen.

Nach fast drei Wochen plötzlich wieder darüber nachdenken, welcher Schalter am Flughafen für welchen Flug zuständig ist.

Und wahrscheinlich feststellen, dass die Reise deutlich größer geworden ist als die Strecke auf Google Maps.

Denn genau das war letztlich die Idee hinter dieser Route.

Nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken.

Sondern möglichst viele unterschiedliche Seiten eines einzigen Landes zu erleben.

Karibik.

Regenwald.

Flüsse.

Vulkane.

Thermalquellen.

Pazifik.

Nebelwald.

Tiere.

Und dazwischen immer wieder Straße.

Was von Costa Rica bleibt

Das eigentlich Verrückte an Costa Rica ist, wie schnell sich die Welt dort verändert.

Man fährt ein paar Stunden und befindet sich plötzlich in einem anderen Klima.

Andere Vegetation.

Andere Tiere.

Andere Landschaft.

Das Land zwingt einen geradezu dazu, unterwegs zu bleiben.

Und genau deshalb eignet es sich vermutlich so gut für einen Roadtrip mit Kindern.

Natur ist dort nicht nur etwas, das man erklärt.

Sie passiert.

Ein Vulkan steht plötzlich vor einem.

Ein Affe sitzt irgendwo über einem.

Ein Tier bewegt sich im Gebüsch.

Ein Fluss wird zum Transportmittel.

Ein Wald hängt in den Wolken.

Und irgendwann steht man am Pazifik und erinnert sich daran, dass man dieselbe Reise ein paar Tage vorher noch an der Karibik begonnen hat.

Vielleicht ist das am Ende die beste Beschreibung für Costa Rica:

Für ein relativ kleines Land ist dort erstaunlich viel Welt untergebracht.


Offene Punkte für Teil 2

Diese erste Fassung beschreibt bewusst vor allem die Route und die Idee hinter unserer Reise. Für einen zweiten Beitrag – oder eine deutlich persönlichere Überarbeitung dieses Textes – fehlen noch die Geschichten, die aus einer Route unsere Reise machen.

Dafür möchte ich nach der Reise beziehungsweise anhand unserer Erinnerungen noch folgende Punkte ergänzen:

Tortuguero: Haben wir tatsächlich Schildkröten bei der Eiablage oder beim Schlüpfen gesehen? Welche Tiere haben wir auf den Kanälen entdeckt? Wie war die Bootsfahrt und wie hat sich die Pachira Lodge angefühlt?

Sarapiquí: Wie war die Kakao-Tour tatsächlich? Haben wir das geplante Rafting gemacht? Und vor allem: Wer von uns hatte dabei mehr Spaß und wer möglicherweise weniger?

Arenal / La Fortuna: Welche Wanderungen und Hängebrücken haben wir gemacht? Haben wir den Vulkan überhaupt vollständig gesehen oder versteckte er sich in Wolken? Welche Thermalquellen haben wir besucht – insbesondere, ob es Tabacón geworden ist?

Rincón de la Vieja: Welche Adventure-Aktivitäten haben wir tatsächlich gemacht? Zipline, Tubing, Reiten? Gab es einen Moment, bei dem vorher jemand „Das ist bestimmt ganz harmlos“ gesagt hat und diese Einschätzung später korrigiert werden musste?

Tamarindo: War die geplante Pause wirklich eine Pause? Wie waren Strand, Pazifik und Sonnenuntergänge? Und haben wir uns dort vielleicht doch noch irgendwelche Aktivitäten gesucht, weil wir offenbar nicht besonders gut darin sind, nichts zu tun?

Monteverde: Wie war die Nachtwanderung? Welche Tiere haben wir gesehen? Und wie stark unterscheidet sich ein Nebelwald in der Realität von dem romantischen Bild, das man vorher davon hat?

Manuel Antonio: Welche Tiere sind uns tatsächlich begegnet? Wie voll war der Nationalpark? Und hält einer der bekanntesten Orte Costa Ricas dem Vergleich mit den Hochglanzbildern stand?

Uvita: Haben wir Buckelwale gesehen? Wie nah kamen sie? Und war das Whale Watching tatsächlich das große Finale, das wir uns davon versprochen hatten?

Außerdem fehlen noch zwei Dinge, die wahrscheinlich wichtiger sind als jede Sehenswürdigkeit:

Unser persönlicher Höhepunkt der Reise.

Und:

Der größte Reinfall, die absurdeste Panne oder der Moment, bei dem Costa Rica unseren sorgfältigen Reiseplan einfach ignoriert hat.

Denn vermutlich wird genau daraus am Ende die Geschichte, die wir in zehn Jahren noch erzählen.