Mittwoch, 15. Januar 2020

Ich höre zu. Das macht aus mir einen besseren Menschen.

Die Sonne knallt vom Himmel. Ich liege regungslos im Sand. Aufstehen wäre jetzt keine gute Idee. Denn um mich herum tobt eine große Schlacht zwischen Elfen, Zwergen, Hobbits, Trollen, Orks und weiteren Bewohnern Mittelerdes. Ich hoffe, dass ich hier lebendig als Beobachter herauskomme. Dann spüre ich auf einmal, wie eine Flüssigkeit an meinem Arm entlang fließt. Ist es Blut? Meins? Das eines anderen? Nein, es ist kalt. Ziemlich kalt sogar. Mensch, wer ärgert mich da? Ich öffne blinzelnd die Augen und blicke in das schmunzelnden Gesicht meiner Partnerin, die neben mir am Strand von Cala Millor auf Mallorca liegt. Sie fragt, ob wir dem Melonen-Mann etwas abkaufen wollen. Ich ziehe die Kopfhörer ab, halte die Herr der Ringe CD im Discman an und bin wieder in der Realwelt angekommen. 

Ich war schon immer leidenschaftlicher Zuhörer. Sowohl zum Entfliehen in fremde Welten, aber vor allem auch zur Aufnahme neuer Informationen. Bei meinen frühen Walkmans war es mir wichtig, dass diese nicht nur Kassetten aufnahmen, sondern auch ein Radio eingebaut hatten, mit dem ich aktuelle Beiträge hören konnte. 


Damit bin ich natürlich nicht alleine. Im Beitrag des Bayerischen Rundfunks "Auslaufmodel Zuhören - ein philosophischer Exkurs" wird die Kulturtechnik “Zuhören” bis zu den Philosophen der Antike verfolgt:


"Beim Zuhören geht es um soviel mehr als nur vorgetäuschtes Interesse. [...] Die Liebe zum Hören findet man schon bei Platon. Sie galt als Voraussetzung für Bildung überhaupt. Also wenn ich keine Liebe zum [Zu]Hören habe, heißt das, ich lerne nicht gerne. Also kann ich nichts lernen. Also ist diese Liebe zum Hören die Voraussetzung für


Bildung überhaupt und Bildung hieß für die Griechen auch gleich, ein guter Mensch werden und damit ein gutes Leben führen. Und wenn ich ein guter Mensch bin, führe ich ein gutes Leben."

So wie bei mir das lineare TV vom Videostreaming abgelöst wurde, habe ich das Live-Radio weitestgehend durch Podcasts ersetzt. Hier finden sich zum einen Wissens-Highlights aus dem Radio wie das WDR Zeitzeichen oder BR Radiowissen wieder, aber auch ganz viele Podcasts, deren Inhalte so nicht in den klassischen Medien vorkommen.

Meine Podcast-Favoriten - sie dürfen mich gerne influencen


Hier stelle ich 12 Podcasts vor, die ich aktuell gerne in meinen Gehörgang dringen lasse. Der Schwerpunkt liegt passend zu meinen Interessen auf Fotografie und Business.

  1. Die Photologen
  2. Mindclass
  3. Fotografie tut gut
  4. Uncle Bobcast
  5. Echtes Marketing
  6. Fotografie Business Podcast
  7. OUT! Online Unternernehmer Technik
  8. Familie und Business unter einem Hut
  9. Picdrop-Podcast
  10. Gate7 - Fernweh und Fotografie
  11. Fotografie kann soviel mehr sein!
  12. Radio Raw - der gesellige Fotopodcast

Detailbeschreibungen



Die Photologen - Spürbare Fotografie in der Praxis: https://www.photologen.de/ . Die Fotografen Falk Frassa und Thomas Jones unterhalten sich über Fotografie und was es drumherum gibt. Hier inspirieren mich die beiden mit ihren tollen Besprechungen nicht nur zu fotografischen Themen wie Kamerasystemen, Objektiven oder Reportage Techniken sondern auch ihren Berichten von ihren Reisen oder einfach aus ihrem Leben. Ja, auch dieser Teil kann spannend sein. Was bei vielen Instagram-Stories nerven kann, kann bei interessanten, reflektierenden Menschen mit Tiefgang viele Aha-Momente bringen. Deshalb steht ihr Podcast bei mir ganz oben in der Player-Liste.

Mindclass: vom Glück und anderen Enttäuschungen: https://mindclass.podigee.io/ .
Die Fotografen Steffen Böttcher und Falk Frassa unterhalten sich über Achtsamkeit, Framing und ihren Foto-Alltag. Beide kamen durch Burnouts in ihren früheren Jobs zur Fotografie und wollen nun alles besser machen. Spoiler: Sie schaffen es nicht immer, aber gehen damit deutlich besser um. Nicht zuletzt wegen der schönen Musik im Intro und Outro sowie ihren tollen Erzählstimmen ist es für mich immer ein Ausflug in eine nicht heile, aber heilsame Welt. Sie holen mich immer auf den Boden zurück, wenn ich mich ärgere, dass ich es viele Ideen rund um meine Jobs als Prozessmanager und Fotograf es nur auf Reißbrett und in die Schublade schaffen, da der Alltag mit Bestandsgeschäft und Familie ganz andere Dinge diktieren.

Fotografie tut gut: Einzelpodcast von Falk Frassa, der auch in den beiden vorherigen Podcast mitmischt: https://www.fotografietutgut.de/ . Dies ist der "Selbsttherapie"-Podcast von Falk, in dem er seine ganz persönliche Sicht auf die Fotografie und die Welt darstellt. Im Jahr 2019 postete er deutlich seltener als früher und aktuell. Jedoch genau diese Unabhängigkeit von klassischen Podcast-Regeln (regelmäßig veröffentlichen, sonst fliegst Du schnell aus den Abo Listen der Hörer), macht ihn für mich so sympathisch. Fotografie und sein Podcast tun mir gut.
Meine 4 fotografischen Begleiter - neben dem Smartphone
Uncle Bobcast: Der Hochzeitsfotografie-Podcast: https://uncle-bobcast.com/ : Weniger Achtsamkeit, mehr Business - aber auch deutlich mehr Unterhaltung. Ich liebe die Interaktion der Fotografen Nils Hasenau und Manuel Gutjahr. Mit Fotografen-Kollektiven wie den Bildpoeten sind sie tief in der "Hochzeitsfoto-Szene" verwurzelt und bringen sie durch eigene Events wie den Keep-it-real-Sessions toll voran. Daneben gibt es immer wieder spannende Exkurse in artfremde Themen wie E-Mobilität, TV-Landschaften oder Weinproben. Warum auch nicht? Fotografie bildet eben die Gesellschaft ab und daher trägt gesellschaftliche Bildung auch zu besseren Bildern bei.

Echtes Marketing - Marketing für kreative Unternehmer: https://echtes-marketing.de/pod/ . Fotograf Michael Omori Kirchner hat mit seinem Business Bootcamp die Macher des Photologen-Podcasts zusammen geführt, da sie sich dort als Workshopteilnehmer kennengelernt haben. Es geht hier zwar oft um Fotografie, aber Themen wie Storytelling oder digitales Marketing sind längst nicht nur für Fotografen interessant. Viel wertvoller Content für null Euro und eine Vorschau auf noch wertvollere Inhalte in seinen Workshops und Mentoring-Programmen.


Neben Podcasts ist natürlich auch echtes Networking wichtig - wie hier beim 2. Infoabend Digitalisierung in Köln-Sürth


Fotografie Business Podcast - zwei Berufsfotografen erzählen aus dem Nähkästchen: https://fotografie-business-podcast.de/ . Die schon oben mit jeweils getrennten Podcasts erwähnten Fotografen Thomas B. Jones und Michael Omori Kichner legen hier ihre Kompetenzen zusammen, um Einsteiger und Aufsteiger ins Foto-Business mit wichtigen Infos zu versorgen. Hierbei geht es im richtig konkrete Basisthemen wie Preisgestaltung, CRM-Systeme, Rabatte, Nutzungsrechte und Versicherungen. Woanders würde der Content als dreistellig bepreistes Audio-Book im Online-Store stehen. Hier geben sie das geballte Wissen kostenfrei weiter. Wenn Du nur einen Foto-Business Podcast hören willst, willst Du diesen hören.

OUT! Online Unternernehmer Technik - für Deinen Erfolg im Online-Business: https://olafkapinski.com/out/ . Mit unglaublicher Energie und fesselndem Erzählstil bringt Olaf Kapinski Technikthemen der Digitalisierung rüber. Er ist ein ehemaliger IT-Manager in Großunternehmen, der nun nach Ungarn ausgewandert ist und von dort ein Online-Business und Consulting betreibt. In seinem Zweitpodcast Leben führen bietet er Nachwuchskräften an, viele Anfängerfehler durch frühes Coaching zu vermeiden. Auch ohne direkte Personalverantwortung spannend, da wir ja im Rahmen von Projekten und Netzwerkarbeit oft auch Führungsverantwortung auf Zeit haben. In einem früheren. Wer irgendwann selber Podcasts machen will, kann sich ohne Medienbruch von ihm in seinem Podcast-Machen-Podcast über Podcasts um die Klippen des Einstiegs herumlotsen lassen.



Sieht aus wie ein Hai. Ist aber ein Zeitfresser. 


Familie und Business unter einem Hut - der Podcast für Selbständige mit Familie: https://www.benjaminfloer.com/podcast-hoeren/ . Benjamin Floer gibt praktische Tipps für die wichtige Balance zwischen Erfolg im Job und Erfüllung in der Familie. Sein großes Steckenpferd sind Zeit- und Aufgabenmanagement, aber als Seelsorger im Hauptberuf, gibt er auch immer wieder Ratschläge, um den seelisch-spirituellen Teil des Menschseins nicht vor lauter hochoptimierten Selbstmanagement-Techniken zu vergessen.

Picdrop-Podcast - Gespräche mit Profis aus der Fotobranche: https://www.picdrop.com/web/de/podcast/ . Letztlich sind ja alle Podcasts der oben genannten Selbständigen eine Art Content Marketing, da sie auch auf ihre Marke und Suchmaschinenoptimierung einzahlen. In diesem Falle steht gleich ein ganzes Unternehmen dahinter. Picdrop ist ein Bildübertragungsdienst für Profis, den ich auch für meine eigenen Produkte nutze. Der Gründer ist selber Profifotograf und nutzt sein Branchen- und Kundennetzwerk, um super interessante Interviewpartner aus vielen Branchen ans Mikrofon zu holen. Besonders inspirierend fand ich das Interview mit David Hurn, der als Altmeister der Reportagefotografie den Unterschied zwischen guten und großartigen Fotografen herausarbeitet. Dabei bleibt er mit herrlich britischem Understatement selber extrem bescheiden.


Nicht nur hören bildet, auch reisen.

Gate7 - Fernweh und Fotografie: https://gatesieben.de/podcasts/ . Podcaster Kai Behrmann ist Journalist aus Hamburg und leidenschaftlicher Reisender und Fotograf. Das verbindet er in seinem Podcast. Das besondere ist jedoch, dass er dabei im Gegensatz zu vielen anderen nicht als Alleinunterhalten auftritt, sondern wie beim Picdrop-Podcast hauptsächlich andere Reisende und Fotografen zu Wort kommen lässt. Als sich zurücknehmender Journalist führt er tolle Interviews, die uns Lust auf das Entdecken und Fotografieren uns fremder Länder machen.


Fotografie kann soviel mehr sein
!: https://soundcloud.com/user-35674727. Fotograf, Videograf und YouTuber Vitali Brikmann schnappt sich wöchentlich sein Mikrofon und lässt uns an einen Erfahrungen bei der Fotografie teilhaben. Dabei kommen nicht nur Success Stories vor. Er erzählt auch ganz offen, welche Fehler er beim Gang in die Selbstständigkeit gemacht hat und wo er noch kein Profi ist (Stichwort: Blitzen). Einige seiner Ausführungen zur Foto-Technik wird man woanders technisch ausgefeilter und kenntnisreicher erläutert hören können. Aber dafür kaum mit meiner so angenehmen Stimme und einer so leidenschaftlichen Begeisterung. Er schließt seine Podcasts immer mit dem Motto ab: “Vergiss nie, warum Du eigentlich fotografierst”. Passt perfekt zu meinem Fotografen-Business Warumfoto.


Warum ich fotografiere? Unter anderem für solche Momente.


Radio Raw - der gesellige Fotopodcast: https://www.radioraw.de/ . Wenn ich auf längerer Autofahrt etwas leichteres hören möchte, höre ich hier rein. Im Team werden aktuelle Fotothemen besprochen - und immer wieder in epischer Breite die Getränkeauswahl.

And now for something completely different


Daneben finden sich noch aus ganzen anderen Themenfeldern diverse Feeds wie Leitmotiv oder Sträter-Bender-Streberg in meiner Liste, aber ich wollte mich in diesem Post auf meine Favoriten aus dem Bereich Foto und Business fokussieren.


Ein Kessel buntes gehört auch in Deinen Feed


Oh Freunde, nicht diese Töne!


Sind alle Podcasts toll? Nein, einige sind natürlich nervig, super unregelmäßig und langatmig gewesen. Die habe ich schnell wieder aus meinem Stream entfernt und verdängt.

Wer jedoch mal in einen im Vergleich zu obigen Podcast in meinen Ohren besonders ekligen reinhorchen möchte, dem kann ich als Beispiel “Vom Einzelunternehmer zum Unternehmer im Team” nennen. Hier reiht ein junger BWL-Schnösel diverse Business-Buzzwords aneinander und erzählt, wie toll er anderen Firmen helfen kann. Mehr als 2 Beiträge konnte ich nicht ertragen. Daher bin ich nicht tiefer in seine Tschakka-Consulting-Welt eingedrungen und tue ihm vielleicht unrecht. Falls dem so ist, wird er seinen Weg schon machen. Nur eben abseits des meinen.

Womit höre ich meine Podcasts?

Ich lade meine Podcasts auf mein iPhone herunter und höre sie dann beim Pendeln, Aufräumen, Putzen oder Spazierengehen. Das erklärt auch die häufig gestellte Frage, wann man denn dazu kommt. Meist höre ich sie mit Kopfhörern, aber auch per Bluetooth über die Autolautsprecher oder auf den Amazon Echo transferiert. Deshalb ist mein Blog hier eigentlich nicht mehr unserer schnellen Zeit angepasst. Man kann es nicht konsumieren, während man etwas anderes macht. Podcasts erlauben genau dieses Multitasking.


Nun ist es raus. Auf meinem Smartphone läuft mehr als Ingress.

Auf dem iPhone nutze ich die App Overcast zum Herunterladen und hören. iCatcher ist auch klasse. Unter Android ist Podcast & Radio Addict wohl sehr beliebt. Apples Podcast-App soll mittlerweile auch ok sein (immerhin haben sie den Begriff Podcast auch erfunden), aber sie waren am Anfang so mies, dass sie mich schnell verloren. Das war in meinen Augen die unwürdigste App aus dem Hause Apple.

Viele nutzen auch einfach Spotify als universelle Medienlösung, die auch die Podcasts listet. Mir als "Poweruser" gehen da jedoch die Steuerungsmöglichkeiten nicht weit genug. Der Vorteil von Spotify ist natürlich, dass man darüber den Podcast super einfach auch einfach über Amazons Echo oder andere Smart Assistants abrufen kann. “Alexa, spiele die Photologen” ist halt einfacher gesagt als mitten im Abwasch das Smartphone zu bedienen.

Mehr quatschen statt schreiben?


Sollte ich auch mal selber meinen Conent als Warumpodcast bereitstellen? Es spricht viel dafür. Ich werde mal die nächste Zeit dafür in mich reinhorchen und hoffe, dass ich mehr als nur das Knurren meines Magens zur Mittagszeit erhasche.

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