Zum Tag des offenen Denkmals: CRIFA in der Elsaßstraße und Eisenbahngeschichte zum Vormerken.
| Bunkerforschung in der Kölner Bodestraße |
Man kennt sein Veedel. Weiß, wo es guten Kaffee gibt, welche Ampel grundsätzlich zu lange rot bleibt und wo seit gefühlt drei Stadtverwaltungen dieselbe Baustelle steht. Und dann erfährt man, dass sich hinter einer unscheinbaren Häuserfront ein fünfgeschossiger Hochbunker verbirgt.
Köln schafft es zuverlässig, meine Neugier beschäftigt zu halten.
Heute, am 13. September 2026, ist Tag des offenen Denkmals. Das Motto lautet „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Dazu passen zwei Themen, bei denen ich gerne genauer hinschaue: historische Schutzbauten und die Verbindungen, die unsere Region zusammengebracht haben.
Fünf Stockwerke Zeitgeschichte in der Elsaßstraße
| Hochbunker in der Marktstraße. Sonderform des "Kichenbunkers". |
In der Elsaßstraße 42 steht ein Hochbunker, den man im Vorbeigehen leicht übersehen kann. 1942 vom Architekten Helmut Wirming errichtet, fügt sich der massive Bau erstaunlich unauffällig in die Häuserzeile ein.
Dabei steckt hinter seiner Fassade eine ganze Abfolge deutscher Krisengeschichte: zunächst Luftschutz im Zweiten Weltkrieg, anschließend Notunterkunft in der Wohnungsnot und später die Umrüstung für den Zivilschutz im Kalten Krieg. Derselbe Beton, neue Bedrohungslage.
Gerade das macht diesen Ort sehenswert. Hier bekommt Geschichte eine räumliche Dimension. Wie muss sich ein Aufenthalt hinter diesen Mauern angefühlt haben? Welche Hoffnung verbanden Menschen mit einem Schutzraum? Und wie viel Angst?
Das Team des Instituts für Festungsarchitektur, kurz CRIFA, vermittelt die Hintergründe. Im Innenhof ergänzt eine Ausstellung zum Zivilschutz im Kalten Krieg den Besuch.
Heute von 12 bis 18 Uhr, Elsaßstraße 42. Führungen finden nach Bedarf statt. Anmeldung direkt am Empfang beziehungsweise Infostand vor Ort. Der Zugang erfolgt durch die Toreinfahrt; Kinder ab sieben Jahren bitte in Begleitung Erwachsener. Programm und Anmeldungshinweis · Weitere Besuchsinformationen
Alte Gleise führen zu neuen Entdeckungen
Auch die Köln-Bonner Eisenbahnfreunde bewahren ein Stück Alltag, das längst Geschichte geworden ist. Ihr im Mai 2026 neu eröffnetes Museum befindet sich in der ehemaligen Güterabfertigung an der Konrad-Adenauer-Straße 13 in Wesseling.
Rund 560 Exponate erzählen von der KBE. Besonders schön finde ich den Standort: Verkehrsgeschichte dort zu vermitteln, wo tatsächlich Eisenbahnalltag stattfand, hat etwas. Der historische Bahnhof liegt gleich nebenan. Das lässt die Verbindung zwischen Sammlung und Stadtentwicklung unmittelbar verständlich werden. Mehr zur Museumseröffnung
Diesen Besuch bitte vormerken: Eine Sonderführung heute konnte ich nicht bestätigen. Der Verein kündigt den 20. September von 11 bis 15 Uhr als nächsten Museumstag an. Führungswünsche kannst Du über besuch@kbef-ev.de anfragen; einen individuellen Termin muss der Verein bestätigen. Aktuelle Öffnungszeiten · Besuchskontakt
Menschen mit einem ziemlich langen Gedächtnis
Wer hier länger mitliest, kennt meine Neigung, hinter vertrauten Orten weitere Geschichten zu suchen. Bei den versteckten Festungen im Kölner Süden bekam selbst eine Grünfläche plötzlich eine zusätzliche Bedeutung. Beim Tag der Forts 2020 durfte ich erleben, wie viel Einfallsreichtum in ehrenamtlicher Geschichtsvermittlung steckt.
Diese Menschen erforschen, restaurieren, erklären und schließen schließlich die Türen für uns auf. Vielleicht ist genau das das interessanteste Netzwerk hinter dem diesjährigen Motto.
Die nächste unscheinbare Toreinfahrt schaue ich mir jedenfalls genauer an.
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