Freitag, 6. März 2015

Norwegen mit Wohnmobil und Baby - 4/6 - Tage 11-15


Inhalt:

Einleitung
Tage 1-5
Tage 6-10
Tage 11-15
Tage 16-20
Nachlese





Tag 11: Ronde - Steinloysa, Route: Aursjøvegen



Heute haben wir lange geschlafen. Der Campingplatz war trotz oder wegen der vielen Dauercamper super ruhig. Ausgiebiges Duschen, Frühstücken und Wassertausch lassen uns erst um 11:45 starten. Statt der geplanten Direktfahrt nach Molde und zum Atlantik ging es noch einmal in die Berge. Diesmal via Aursjøvegen, einer weniger bekannten Fjell-Route, aber eine dennoch wunderschöne. Erst geht es durch grüne Täler.


Ein Tunnel wird gerade gesäubert. So haben wir extra nur für uns ein Leitfahrzeug, das uns die 6km Voraus fährt, damit wir als Kolonne - aus 2 Autos - an den beiden Putzfahrzeugen vorbei kommen. Dann geht es bei Finnstedt eine Mautstrecke für 100 NOK hoch. Schließlich geht es über vier 180-Grad-Kehren und durch einen unbeleuchteten, einspurigen Tunnel. Schaffen wir diese Route mit dem Wohnmobil wirklich?


Diese bislang waghalsigste aller Strecken schraubt sich immerhin 1000m ins Fjell hoch. Dabei ist die Straße hier und für die nächsten 74 km unasphaltiert. Zwar fester Untergrund, aber sehr uneben.  Mit viel Schotter unter einem Fahrzeug von über 3t Gewicht und heftigen Seitenwinden in Verbindung mit der Windschnittigkeit einer Einbauschrankwand wird es uns bei teilweise begrenzungslosen Passstraßen doch etwas mulmig.

Ein kleiner Schritt für einen Menschen. Und auch ein kleiner für die Menschheit. Aber ein schöner.






Aber vielleicht machte das den Reiz extra aus. Diese Nebenstrecke war Anfang September noch offen, aber uns begegneten die nächsten.4 Stunden nur 2 fahrende Autos. Weitere standen zwar oben, aber gehörten wohl Wanderern, Anglern oder Jägern. Viel schroffes Gestein, das wieder anders aussieht, als die letzten Fjelle, aber nicht weniger schön ist. Riesige Staudammwände halten Wassermassen von einem Tal fern, das sonst wohl überflutet wäre. Die ganze Zeit halten wir Ausschau nach den wilden Moschusochsen, die hier am westlichen Rand des Dovrefjells leben sollten - leider erfolglos.



Siehst Du von da oben einen Moschusochsen? Nein, aber ich glaube, ich rieche einen...


Der Abstieg gab einen Eindruck wie der Trollstiegen damals ohne Asphalt und mit den alten Engkurven wohl gewesen sein muss. Aber nicht nur eben zur Ansicht, sondern als praktische Demonstration. Unten war auf einmal wieder alles grün. Birkenwälder mit Farn-Unterholz wirkten wie Jurassic Park.


Weiterfahrt zum Wildcamping. Diesmal finden wir relativ zügig an einer Nebenstrecke vor Steinloysa Richtung RV64 einen Platz am Straßenrand mit Blick auf einen Fjordarm.


Tag 12: Steinloysa - Kristiansund - Orkanger, Route Atlantikstraße



Ganz so ruhig war unser Plätzchen doch nicht, so dass mit einsetzendem Berufsverkehr,  - ok mit unserem sicher nicht zu vergleichen - der Tag etwas früher begann. Wir machten uns auf den Weg Richtung Molde, um von dort den Atlanterhalvsvegen, die Atlantikstraße über 7 Brücken Richtung Kristiansund zu befahren.


Trendsport bei norwegischen Halbstarken: Driften und Burnouts
Die Route beginnt in Bud, einem kleinen Dorf im Süden, das nicht mal das Navi kannte. Die Karte schon, so dass wir nach der Umfahrung des mautpflichtigen Tunnels über ein kurzes Fjell über Trondes den Einstieg der Landschaftsroute erreichten.




Sommer-Langläufer
Die Fahrt begann durch eine Dünenlandschaft, die im Gegensatz zur den Gebirgserlebnissen der letzten Tage angenehm unspektakulär war. Küstenlandschaft und Meer eben. Nett. Der eigentlich spannende Teil mit den sieben Brücken, über die wir nicht gehen, sondern fahren wollten, beginnt hinter Vangnes.


Wilde Küstenlandschaft mit vielen Felsen, die immer wieder schneisenartig das Meer durchschneiden. Schiff fahren ist hier sicher nahezu unmöglich. Gleich die zweite Brücke ist die berühmte Storseisund-Brücke, die im Jahr 2005 zum Bauwerk des Jahrhunderts in Norwegen gekürt wurde. Viele Parkplätze vor der Brücke. Und noch mehr Parkplätze dahinter, bzw, insbesondere auch der eigentliche Parkplatz, von dem aus man die Brücke in schönster Ansicht betrachten und die Düne einmal auf einen Steg umrunden kann.



Sprungschanze ins Meer?



Die weiteren Brücken liegen kurz hintereinander, so dass wir unsere Fahrt Richtung Kristiansund fortsetzen. An einem mautpflichtigen Tunnel kurz vorher der Schock: Anhand der Schilder rechnen wir mit Mautgebühren von 400 NOK, was uns kurz in eine Haltebuchtsdiskussion verfallen lässt, ob wir ernsthaft 50 EUR für eine Tunnelfahrt ausgeben oder ob wir umdrehen und einen Umweg von gut 70 km auf uns nehmen.


Etwas genervt entscheiden wir uns für den Tunnel, der glücklicherweise doch "nur" 125 NOK kosten. 400 NOK waren wohl Fahrzeuge über 3,5 t. Immer noch Geld genug, aber die Fahrt durch einen Tunnel mit 10% Gefälle unter dem Atlantik durch ist interessant. Als wir schließlich Kristiansund erreichen, fahren wir kurz Richtung Zentrum. Da merken wir dann aber ziemlich schnell, dass wir beide keine große Lust haben, das Womo für vermutlich horrende Parkgebühren abzustellen, den Sohn ein, den Kinderwagen auszupacken und herum zu laufen, ohne überhaupt genau zu wissen, wohin.

Kristiansand

Der Reiseführer-Eintrag zu Kristiansand las sich nicht so spannend. Wird sind aktuell eher auf Natur eingestellt. Zudem ist der Sohn gerade wieder eingeschlafen und es steht mit der nächsten Etappe in Trondheim genug städtisches Treiben an. Also sehen wir das Venedig des Nordens nur kurz beim Durchfahren, das mit seinen weißen Häuschen und vielen Booten im Hafen einen freundlichen Eindruck hinterlässt.


Wir fahren also weiter Richtung Trondheim über eine weitere Fähre für 210 NOK. Dort gibt es im Bistro kostenloses WLAN. Ob das bei allen Fähren der Fall war und wir es erst auf der letzten Fjord-Fähre merken? Wir werden es vermutlich nicht erfahren. Da wir eh früher dran sind als geplant, beschließen wir, die restlichen 190 km nicht an diesem Tag noch übers Knie zu brechen. Wir fahren so noch ein wenig und wollen dann irgendwo vor Trondheim nochmal wild campen. Wir hatten heute nicht so viel die Kamera-Akkus beansprucht und auch zwischendurch eine Dumping-Station nutzen können.


Die Suche nach einem Stellplatz gestaltet sich wieder schwierig. Der rausgesuchte Rastplatz an der E39 weist mittels Schild explizit darauf hin, dass Übernachten nicht erlaubt ist, was dem Ehemann egal wäre, mir jedoch nicht. Der nächste Platz an der E39, den wir nach einigem Hin- und Herfahren auf einem Parkplatz direkt an der Straße finden, bietet eine tolle Aussicht, liegt aber leider viel zu laut.


Also wieder runter von den Womo-Auffahrkeilen und mit einem nun quengelnden Baby ein paar km weiter Richtung einer kleineren Straße in Richtung Hosten. Wieder einige Stellplatzdiskussionen, da ich das Jedermannsrecht, von dem ja angeblich sogar unklar ist, ob es überhaupt für Autotouristen gilt, nicht überbeanspruchen möchte.

Überall diese Ledig-Schilder. Partnersuche auf norwegisch? Haben die kein Tinder?
Schließlich finden wir einen Platz vor ein paar Dungmieten und einer abgestellten Arbeitsmaschine im Wald sicher mehr als 150 m weit weg von anderen Häusern an einem See, wenn auch in unklar, ob nicht doch irgendwie privat. Ich will nicht wieder die Spielverderberin spielen, wie so oft bei unserer Stellplatzsuche, so dass ich zustimme.


Doch leider gibts beim Rückwärts einfahren in den Platz einen Ruck und ein lautes Geräusch. Wir haben aufgesetzt. Das Gras verdeckte eine Kuhle in der Erde. Mist. Nachdem wir die endgültige Parkposition erreicht haben, sehen wir, dass 3 Teile der Plastikverkleidung am Stoßfänger gebrochen sind. Damit hat sich unsere Kaution von 1.200 EUR sicher um ein paar hundert Euro dezimiert. Teurer Urlaub. (Nachtrag: Das kostete uns schließlich 300 EUR).

Anbauteile aus Plastik sind nicht günstig



Und ich merke immer mehr: Wild campen ist anstrengend und nicht so das Wahre für uns, was auch unser schlechtes Gewissen zeigt. So lauschen wir jedem vorbeifahrenden Auto und löschen beim Spülen zwischendurch das Licht, um möglichst unauffällig zu bleiben. Festzustellen bleibt auch bei aller Liebe zum vereinfachten Kochen im WoMo: Frische Kartoffeln in Norwegen einführen ist verboten, Kartoffelpüree aus der Tüte schmeckt eklig. Das Erste ist manchmal auch das letzte Mal.


Wir lauschen den Tiergeräuschen um uns herum und glauben, dass es wohl eher Kühe als Elche sind. Aber wer weiß, was die Nacht bringt. Immerhin sagten uns schon auf der Wiese vor uns ein Graureiher-Pärchen gute Nacht. Sterne aufgrund der Wolken gab es auch leider keine, auch wenn sie mangels Lichtquellen um uns herum bestimmt unglaublich gewesen wären. Auch der Mond fehlt schon die ganze Zeit, was uns heute erst so richtig auffällt.


Tag 13: Orkanger - Trondheim 1 von 4



Elche gab es keine, dafür einen frühen Start Richtung Trondheim. Auf dem Weg machten sich allerdings die Rastplätze rar, auf denen wir in schönerer Aussicht ohne das latente Gefühl evtl zu stören, frühstücken wollten. Unsere Sorge, auch keine Dumpingstation bis Trondheim zu finden, erfüllte sich glücklicherweise nicht. So war doch kurz vor Trondheim auf der E6 eine kostenfreie Dumpingstation - die luxuriöseste der bisherigen Reise.








Trondheim selbst ist eine schöne Stadt, wobei wir natürlich vom Insiderwissen unserer Gastgeber profitierten. Die Domkirche (Domkirke) hat ein beeindruckendes Hauptportal, leider war sie wie die Stabkirchen auch geschlossen. Ein Stadtbummel über die rote Brücke, den Holzsteg und vorbei an einem Fahrrad-Lift war unser Einstieg. Ein Einkauf von typisch norwegischem "Fiskekake" bei in einem Fischhändler am Hafen sowie ein Chilikaffee in einem netten kleinen Bistro im Künstlerviertel rundeten den ersten Tag ab.


Allerdings bekamen wir trotz unserer spendablen Gastgeberin auch das erste Mal so richtig die norwegischen Preise zu spüren. 2 Stück Kuchen, 2 Chili-Kaffee und ein Kakao : über 30 EUR (260 NOK). 3 Postkarten 12 NOK. Der Fahrradlift wäre immerhin umsonst gewesen.




Die sprichwörtliche Nettigkeit der Norwegen merken wir auch wieder hier. Die Vermieter unserer Freunde lassen uns neben dem Haus parken und stellen ihr Auto dafür woanders hin. Strom für Kühlware und Babyphone gibt es aus der Garage.



Das Babyphone machte uns abends auch auf einen Schreikrampf beim Sohn aufmerksam. Da wir aus der Wohnung der Freunde ca. 1 Minute zum vor der Tür stehenden WoMo gebraucht hatten, hatte das Weinen zur verstopften Nase und dann zu Luftmangel beim Baby geführt. Der Kleine rang echt nach Luft als der Papa ihn zu beruhigen versuchte. Die besonnene Mama und Nasentropfen halfen dann aber, die normale Atmung wieder herzustellen. Puh. Als Papa hatte ich einige Momente echt Angst, dass mir der Kleine kurz vor dem 9. Monat in meinen Armen stirbt. Um für weitere Notfälle gerüstet zu sein, besuchte ich daher wieder daheim den Kurs in der Elternschule “Notfall beim Kind”. Ein echt lohnender Kurs für alle Eltern.



Tag 14: Trondheim 2 von 4



An dem Tag wird uns gezeigt, was der Trondheimer am Wochenende macht: In der Umgebung auf einem der vielen Berge wandern. Heute geht es in der Bymarka hinauf auf einen Berg mit Satellitenschüssel (Graakallen). Dabei war die Manduca-Babytrage Gold wert. 

Nach dem Aufstieg schön entspannen beim Schaukeln


Zum Abendessen waren wir im Egon Restaurant auf dem Fernsehturm. Das Restaurant dreht sich innerhalb einer Stunde um 360 Grad und bietet so tolle Aussicht aus 74m über die Stadt und den Fjord. Es werden leckere internationale Küche und moderate Preise geboten - letzteres zumindest für Norwegen. 

Fernsehturm mit Drehplattform - davon träumt der Kölner








Hier gab es auch eine weitere Premiere. Der Sohn wurde in seinen ersten Kindersitz gesetzt. Fand er super. Damit war klar, dass daheim der Wechsel vom Schoß in einen Kindersitz erfolgen wird. “Natürlich” kommt auch bei uns zuhause ein Tripp Trapp von Stokke aus Norwegen zum Einsatz.


Wir bemerken, dass in dieser Stadt neben “normalen” E-Mobilen vor allem auch viele, viele Teslas unterwegs sind. Diese Autos der Öko-Oberklasse scheinen hier ein besonderes Statussymbol zu sein. Gefällt uns - auch wenn es für uns persönlich sicher so wie beim Kollegen Dennis Knake nur dabei bleiben wird, dass wir irgendwann mal eine Testfahrt damit machen dürfen.



Tag 15: Trondheim 3 von 4


Auch heute gab es eine Wanderung auf einen Berg. Diesmal durch einen Waldweg mit vielen Pilzen, die unser Freund mit seinen guten Kenntnissen teilweise einsammelte. Am Ende erwartete uns wieder eine schöne Aussicht über Stadt. Danach gab es Bummeln in der Stadt. Es ging dabei die Trondheimer Berge rauf und runter. Es folgte der erste Einsatz vom Kinderwagen jenseits vom Essen. Wir besuchen die Solsiden Shopping Mall - ein tolles Einkaufszentrum in umgebauter Werft. Den Tag rundet ein Abend in der Skybar im 9. Stock des Clarion Hotels ab. Mit toller Aussicht auf Stadt und Fjord genießen wir den Sonnenuntergang und einen leckeren Cocktail. Und auch der Mond ist wieder da. Eine empfehlenswerte Location für jeden Trondheim-Besucher.

Anleitung für den Social Media Menschen









Als Trondheimer hat man auch eine Nordlichter-App. Sie zeigte für diesen Tag allerdings nur eine moderate Wahrscheinlichkeit für dieses tolle Himmelsphänomen an. Aber es war eben der letzte Tag, den wir so weit im Norden verbringen würden und er war fast wolkenlos. Deshalb habe ich trotz stark gedämpfter Erwartungen durch die Gastgeber mein Stativ geschultert, bin zur Nordseite eines kleinen Hügels gewandert und habe in den Nachthimmel hineingeknipst.

Bingo. Was mit bloßem Auge nur wie leicht verfärbter Licht-Smog einer Großstadt aussah, entpuppte sich nach 15 Sekunden Langzeitbelichtung als Aurora Borealis. Sicher - die sehen in klarer, dunkler Winternacht viel beeindruckender aus. Aber dafür konnte ich sie ganz ohne die sonst begleitenden Erfrierungen einfangen. Wir hatten nämlich sensationelles Septemberwetter mit tagsüber über 21 Grad und Sonne, nachts lauen 16 Grad. 


Mit mehr Zeit und Sonnensturmglück bekäme ich auch sicher mal so ein Zeitraffer-Video der Polarlichter über Trondheim hin, wie es unsere Freunde in kalter Winternacht auf ihrem Balkon eingefangen hatten. Der filmische Olymp wäre dann natürlich noch ein eigenes Realtime-Video davon. Das ist jedoch jenseits der Möglichkeiten des Kompaktsensors in meiner Allrounder-Bridge-Kamera Panasonic Lumix FZ150. Dafür braucht man schon einen Spezialisten wie den mega-empfindlichen Vollformatsensor aus einer Sony A7S:




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