Freitag, 6. März 2015

Norwegen mit Wohnmobil und Baby - 2/6 - Tage 1-5


Inhalt:

Einleitung
Tage 1-5
Tage 6-10
Tage 11-15
Tage 16-20
Nachlese






Tag 1: Köln bis Hamburg



Schöner Himmelsgruß bei Bremen
Am Morgen des 23.08.2014 holten wir das Wohnmobil von McRent in Kerpen ab. Wir hatten uns für einen Dethleffs Globebus T4 entschieden. Dieses Modell hatte den Vorteil, dass es im Heck ein großes Doppelbett mit einem verkürzten Mittelteil hatte. Da konnte das Baby gut zwischen uns schlafen. Die Übergabe und Einweisung dauerte ca. 1 Stunde. Dann ging es zurück nach Köln. Das Packen dauerte viel länger als geplant. Erst nach 5 Stunden kamen wir los. Unser Ziel war eigentlich ein Campingplatz bei Flensburg. Mit dem starken 130 PS Diesel-Motor kamen wir auf der Autobahn gut voran. Aber kurz vor Hamburg hatte das Baby dann doch irgendwann keine Lust mehr. Also fuhren wir den Campingplatz Wildpark - Schwarze Berge in der Nähe von Hamburg an. Hier lernten wir das erste Mal das Campingleben kennen. Niemand an der Rezeption einfach hinstellen und am nächsten Morgen bezahlen. Nett, dieses gegenseitige Vertrauen.





Tag 2: Hamburg bis Kristiansand


Nachdem erst ein Radrennen, von dem der Campingsplatz eingekesselt war ("Sie kommen hier erst in ca. 3 Std raus..."), beinahe unseren Reiseplan ordentlich durcheinander gewirbelt hatte, schafften wir es doch noch rechtzeitig zur 18 Uhr Fähre. Danke an die netten Herren von der Freiwilligen Feuerwehr Rosengarten, die uns bei einer großen Lücke im Fahrerfeld haben passieren lassen.


Die Weiterfahrt zur dänischen Hafenstadt Hirtshals ging dann flott. Der Preis für unser Wohnmobil betrug 194 EUR. Wir standen recht weit vorne, so dass wir keine Probleme mit dem berüchtigten Einparken im Bauch der Fähre hatten. Um die Batterie auf der 2:15 h Überfahrt zu schonen, schalteten wir den Kühlschrank aus. Wir hatten vorsichtshalber einen Beutel Crushed Ice mitgenommen, um die Kühlkette zu erhalten. Das war aber kein Problem, hätte es nicht bedurft. Stattdessen blockierte der Beutel das Eisfach.


Die FjordExpress-Fähre ist rechts zu sehen
Wichtig auch: Handbremse anziehen nicht vergessen. Das passierte nämlich der besten Ehefrau von allen, die als bessere Einparkerin das Wohnmobil in den Schiffsbauch fuhr. Das führte den ersten kleineren Ehekrach des Urlaubs herbei. Denn man kommt später nicht mehr an sein Fahrzeug. Und das bei der wilden Überfahrt und den platzsparenden Abständen zum Vordemann. Nun ja, es war nicht mehr zu ändern. Ein Crewmitarbeiter beruhigte uns aber: das Rollen des Fähre bewegt die Fahrzeuge seitlich und nicht vor und zurück, so dass wir uns keine Sorgen machen sollten. Und tatsächlich - die Motorbremse im ersten Gang hatte ausgereicht.


Die schnellste Autofähre der Welt rührt kräftig in der Nordsee rum
Wer Probleme mit Seekrankheit hat, fahrt über die Oeresundbrücke! Falls es nicht geht: dick anziehen und draußen bleiben. Als schnell von Überkeit geplagte Auto-Beifahrerin kenne das von mir und habe mich daher an Heck nach draußen gesetzt. Ging gut, sich den schaukelnden Horizont und die unglaubliche Power das Antriebs anzusehen - bis ich mir dachte, ich schaue mal nach Mann und Kind, die drinnen waren, da es draußen für den Kleinen zu kalt war.


Mein Mann, der nach vielen Jahren in Ruderbooten eigentlich kein Problem mit Seekrankheit hat, saß umgeben von dem süßlichen Kotzgeruch anderer Passagiere ziemlich weiß im Gesicht in den Ledersesseln, während das Kind auf dem Tisch gutgelaunt vor sich hin strampelte. Ein kurzer Tausch, damit er mal an die frische Luft kam, führte aber bei ihm nicht zu Besserung. Mir ging es drinnen natürlich auch nicht besser, so dass mir nach den wenigen Minuten bis er wiederkam so richtig schlecht war und ich meinen ganzen Willen aufbringen musste, mich nicht beim fluchtartigen Verlassen der Innenräume über die Reeling zu übergeben.


An einen Besuch beim All-you-can-eat Buffet war natürlich für keinen von uns zu denken. Respekt vor den norwegischen Seebärinnen und Seebären, die sich Teller um Teller füllten und diesen schwankend zum Tisch balancierten.


Nach ein paar Minuten tiefem Durchatmen ging es dann wieder, so dass ich beschloss, nicht wieder hinein zu gehen, bis wir in den Zielhafen eingelaufen waren.


Aber Seekrankheit macht offenbar auch nicht vor harten Motorradfahrern halt. Einige der wild aussehenden Lederjacken-Rocker vergruben ihr Gesicht auch nur noch in Kotztüten, was mir ein kleines Schmunzeln auf die Lippen zauberte. Als es schließlich deutlich ruhigeres Fahrwasser zu geben schien, genoss ich noch den Sonnenuntergang und ging dann wieder hinein zu Mann und Kind.


Der Yachthafen von Kristiansand am Morgen
Während die Gesichtsfarbe beim Mann wieder zurückgekehrt war, war der kleine Magen des Sohnes der Schaukelei ebenfalls nicht gewachsen gewesen, so dass er seine Abendmahlzeit munter über alles verteilt hatte, was nicht mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattet beiseite springen konnte.


Unser Wohnmobil ist links neben dem Haus "versteckt"
In Kristiansand angekommen, war der Zoll zwar besetzt, machte aber keine Anstalten, eines der WoMos zu kontrollieren. An Alkohol hatten wir uns streng an die Höchstmengen gehalten (in unserer Kombi pro Person 1 Flasche Schnaps (zum Tauschen empfohlen, hatten wir letztlich aber keine Verwendung für), 2 Flaschen Wein und 1 Sixpack Bier + mangels Nikotin noch eine Flasche Wein). Beim Essen an die Höchstmengen von 10 kg pro Person nicht ganz.


So machten wir uns ohne Diskussion über Lebensmittelschmuggel auf die Suche nach dem von Kussmaul beschriebenen Stellplatz im Hafen. Den fanden wir jedoch nicht, da dort zwischenzeitlich ein Parkhaus gebaut wurde. Daher stellten wir uns auf einen Parkplatz vor ein Bürogebäude am Hafen. Vermutlich illegal, da zu nah an einem Haus (150m Abstand sind vorgeschrieben). Das ging ja gut los, aber wir waren einfach zu müde und wussten auch noch nicht so richtig, wie es läuft.


Bis 9 Uhr war das Parken noch umsonst. Danach wären viele Münzen fällig gewesen.



Tag 3: Kristiansand - Egesund

 
Wir bekamen die ersten Einblicke in die wunderschöne Landschaft Norwegens. Erster geplanter Stopp war der Leuchtturm in Lindesness - das Südkap Norwegens. Der Eintritt von 70 norwegischen Kronen (NOK) pro Person inkl einem Kaffee war ein erster Vorgeschmack für die recht hohen Preise in Norwegen (entspricht ca.8 €). Dafür war der Ausblick auf die liebliche Scherenlandschaft wirklich toll. 

Wozu ans Nordkap, wenn man es am Südkap schön warm und sonnig haben kann?


Lindesnes fyr







Wir übernachteten bei Sandnes Camping am Fluss Mandal, 225 NOK. Duschen inklusive. Dazu gab es noch eine tolle Babybadewanne. Ein wirklich schöner Platz mit säuselndem Murmeln des Flusses.



Mit Grill und Fluss ging der Urlaub so richtig los



Auch bei Nacht sehr schön


Einer der vielen Seen des Magma Georparks in Südnorwegen



Tag 4: Egesund - Tau (Alsvik), Landschaftsroute Jæren



Heute fuhren wir auf die erste norwegische Landschaftsroute. Diese Landschaftsrouten sind besondere Touristenstraßen, die besonders sehenswert waren und dazu auch noch immer wieder durch architektonisch besonders sehenswerte Bauwerke ergänzt wurden.


Gleich diese erste Straße unterschied sich ein wenig von den anderen Landschaftsrouten, da sie auch vor allem ein normaler Transportweg ist. Hier müssen man verstärkt damit rechnen, dass man die Straße mit all denjenigen teilen muss, die sie täglich nutzen. Denkt daran, dass dies zum Erlebnis gehört und Ihr bei einer Fahrt hinter dem Traktor eines Bauern die Gelegenheit habt, die Nuancen und Details in der Landschaft viel besser zu erkennen.








Hier regieren das Meer, Felder und ein ständig wechselndes Licht. Auch wenn die Straße einen Einblick in das alltägliche Leben der Menschen gewährt, so ist doch die Landschaft einzigartig und nirgendwo anders in Norwegen zu finden.


Die Strände von Jæren sind, unabhängig vom Wetter, ein Erlebnis für sich. Der Reiseführer sagt: Haben Sie Jæren nicht gesehen, haben Sie auch nicht ganz Norwegen gesehen. Naja - das fanden wir nun nicht ganz. Jæren war anders - eher eine nordfriesische Exklave. Auch schön - aber eben nicht so einzigartig wie das Fjordland.


Die Geschichte in dieser Region dominiert das Meer und nicht die Straße. Trotz alledem ist die Straße ein wichtiger Teil des Ganzen. Sie schneidet sich durch die wunderschöne Kulturlandschaft, oft eingerahmt von alten Steinzäunen. Auf den ersten Blick passiert wenig entlang der Straße, doch es gilt, viel mehr zu entdecken: den ganz speziellen Wechsel des Lichts, die wogende Landschaft, den lebendigen Himmel und den Horizont hinter dem Meer.
Die Strände, ob Sand- oder Geröllstrände, haben überall, wo man anhält, ihren ganz eigenen Charakter. Orrestranda ist vielleicht der schönste Strand, auf dem man kilometerlang auf weißem Sand spazieren gehen und die reiche Flora und Fauna genießen kann. Taten wir natürlich auch. Da wir tolles Wetter hatten, waren wir zwar für den Wind gerüstet, aber am Ende für die knapp 20 Grad viel zu warm angezogen. Man konnte mit nackten Füßen im Wasser spazieren.

Norwegen oder Karibik?
Nach einer kurzen Überlegung, Richtung der viertgrößten Stadt Norwegens, Stavanger, abzubiegen, entschieden wir uns im Hinblick auf die vermutlich eher knappe Zeit von 3 Wochen bis Trondheim und zurück dagegen. Als Stadtmenschen wollten wir eher Natur sehen.


Die Fähre Richtung Oanes kostete 195 NOK.




Abends stand wieder Wildcamping an. Diesmal an einem Kai eines kleinen Anglerhafens mit schönem Sonnenuntergang. 






Himmel über Norwegen als Dramaqueen







Tag 5: Tau - Odda, Route: Ryflyke



Jetzt ging es so richtig ins Fjordland. Eine Reise entlang der Norwegischen Landschaftsroute Ryfylke ist eine Reise voller Kontraste. Hier trifft man auf kahles Hochgebirge, grüne, fruchtbare Hügel, steile Berghänge und tiefe Fjorde.



Das Saudafjell hat seine ganz eigene Natur. Sie ist knorrig, roh und widerspenstig, dass man sich hin und wieder fragt, weshalb genau an dieser Stelle eine Straße gebaut worden ist. Am Wasserfall Svandalsfossen konnten wir auf den Treppen das Wasser und die Kräfte der Natur am eigenen Körper spüren. 



Ist das Kunst oder kann das weg? Ist Kunst und bleibt hier.


Ist das Kunst oder kann das weg? Kann weg und wird gleich wieder eingepackt sobald es trocken ist.





Vor allem die Route 520 ist großartig und unbeschreiblich schön. Mit epischer Filmmusik als akkustische Untermalung der grandiosen Landschaft hatten wir absolute Gänsehaut und Glückstränen in den Augen. Unser großes Wohnmobil war in der Nebensaison kein Problem, nicht wie der Reiseführer Velbinger behauptet, der von Durchfahrt abrät. Ein paar WoMo-Fahrer, die wir vorher getroffen hatten, nahmen uns die Bedenken. Glücklicherweise - sonst hätten wir die vielleicht schönste Route der gesamten Reise verpasst. Klar - man muss sicher fahren und ggf. auch rückwärts rangieren können, aber es gab jedoch genug Buchten zum Ausweichen. Aber vielleicht waren wir mit unserem teilintegrierten Globebus und seinen 6,70m Länge noch gar nicht als groß kategorisiert. Natürlich gibt es auch deutlich größere Schiffe.
 
Flugstunde im Fjell
Die Schneestangen zeigen, wie hoch hier sonst der Schnee liegt.
Viele Touristen nutzen das Ryfylke als reinen Pilgerort, um hier einige der spektakulärsten Naturattraktionen zu erleben, die Norwegen zu bieten hat. Der Preikestolen und der Kjeragbolten mit dem Lysefjord im Hintergrund sind beide beliebte Wanderziele und Fotomotive. Wir haben den 800m steil ins den Lysefjord herabfallenden Felsen Preikestolen mit seiner über 2-stündigen Wanderung über anspruchsvolles Gelände aufgrund des Babys nicht besucht, sondern sind auf dem gegenüberliegenden Ufer zum Aussichtspunkt gefahren, den man nach einer längeren Fahrt erreicht, während der man zwischen durch überlegt, ob man noch richtig ist, da man außer Schafen niemandem begegnet.


Preikestolen-Felsen von gegenüber

Flugstunde gegenüber vom Preikestolen

Entlang der Straße befinden sich außerdem viele idyllische Orte, nach denen es sich lohnt zu suchen. Zur Strecke gehören auch zwei kurze Fährverbindungen, bei denen wir die frische Seeluft und die Fjorde aus nächster Nähe genießen konnten (1x Hjelmeland und 1x Richtung Sand zu je 195 NOK).


Hildal Camping mit Haus-Wasserfall


Danach folgte die Übernachtung bei Hildal Camping in Odda, schön an einem Wasserfall gelegen. Allerdings ist der Platz doch ziemlich einfach gehalten. Kosten: 200 NOK + 2 Duschmarken 2x20=240 NOK. Bei der Herrendusche wurde allerdings die Duschmarke einfach nicht beachtet und es gar kein Warmwasser. Die Platzbetreiber waren nur abends zu erreichen.


Ein besserer Campingplatz wäre einige Kilometer weiter Richtung Odda direkt am Fjord zu finden gewesen.

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