Montag, 28. September 2026

28 Jahre. 314.000 Kilometer. Eine Audi-Fahrerin.



Und ihr Audi A4 fährt immer noch. Zusammen mit seiner Anneliese, die ich zufällig in Würselen, einem Ort in der Nähe von Aachen getroffen habe.


Mein Blick ruhte ein wenig zu lange auf ihrem Wagen, weil er mich an den silbergrauen Audi 100 erinnerte, mit dem meine guten Freunde großartige Strecken und Erlebnisse gesammelt haben.

Kopf ist entfernt, da ich auch das Recht am eigenen Bild
im Jahr 1993 respektiere.


Als sie fragte, was denn sei, kamen wir ins Gespräch.

Natürlich finde ich autonome Fahrsysteme spannend (neue Story in Arbeit).

Echte Begegnungen mit "Anneliese Fahrsystemen" sind jedoch noch spannender.

Wir unterhielten uns über ihren Audi in wunderschönem British Racing Green, bemerkenswert gut erhalten – und ohne Rost.

Natürlich waren über fast drei Jahrzehnte Reparaturen und Verschleißteile nötig. Aber das Auto tut bis heute genau das, wofür es gebaut wurde: Es funktioniert.

Besonders schön finde ich die Geschichte seiner Werkstatt:
Dort arbeitet tatsächlich noch ein Monteur, der diesen Wagen schon vor 28 Jahren betreut hat. Und offenbar freut er sich jedes Mal, wenn dieser alte Bekannte wieder auf den Hof rollt.

Eigentlich erzählt diese kleine Szene gleich zwei Geschichten über Qualität.

Die eine über ein Auto, das nach 28 Jahren noch immer zuverlässig seinen Dienst tut.Die andere über einen Betrieb, in dem ein Mitarbeiter nach 28 Jahren noch immer arbeitet. Denn auch das ist Qualität.

Ein Unternehmen, das Menschen so lange halten kann, scheint offensichtlich ebenfalls einiges richtig gemacht zu haben. Gute Produkte entstehen schließlich nicht unabhängig von den Menschen, die sie entwickeln, bauen, warten und reparieren.

Vielleicht ist das eine ziemlich gute Definition von Qualität:

Ein gutes Produkt begeistert nicht nur, wenn es neu ist. Ein wirklich gutes Produkt begeistert noch, wenn es alt geworden ist.

Audi R8 vor dem Parlament in Budapest.
Ob der auch fast 30 Jahre so laufen wird?


Und vielleicht gilt für Arbeitgeber etwas ganz Ähnliches.

Mein eigenes Auto von 2005 war nach 19 Jahren wirtschaftlich bereits beim Schrottwert angekommen. Kein Beweis für „früher war alles besser“ – aber zumindest eine kleine anekdotische Evidenz dafür, warum mich dieser Audi so beeindruckt.

Die Geschichte, was anschließend beim Verkauf dieses Autos passierte, war übrigens noch bemerkenswerter. Daraus wurde auf WarumDuscher der Beitrag „Fiese Masche: Autoverkauf mit Spätfolgen“.

Natürlich liegt bei so einer Geschichte die Pointe nahe:

Früher fragte der Ingenieur:
„Wie bauen wir ein richtig gutes Auto?“

Heute fragt der Controller:
„Muss das wirklich 28 Jahre halten?“

Ganz so einfach ist es selbstverständlich nicht.

Eine systematische Strategie, Produkte absichtlich möglichst früh ausfallen zu lassen, lässt sich nicht pauschal belegen. Aber die Diskussion um Obsoleszenz ist real: Materialwahl, Kostendruck, Reparierbarkeit, Ersatzteilpreise und immer kürzere Produktzyklen beeinflussen, wie lange wir Dinge tatsächlich nutzen.

Umso schöner ist dieses Gegenbeispiel auf vier Rädern. Denn auch die Geschichte des Namens Audi passt erstaunlich gut dazu.

Gedenkschild in Köln-Ehrenfeld (Foto: Attila Radnai) 


August Horch gründete am 14.11.1899 seine erste Automobilfirma in Köln-Ehrenfeld A. Horch & Cie. Nachdem der ehemalige Betriebsleiter von Carl Benz später seinen eigenen Namen nicht mehr für ein neues Unternehmen verwenden durfte, wurde „Horch!“ ins Lateinische übersetzt: „Audi!“

Audi bedeutet sinngemäß: Hör zu!

Vielleicht ist genau das die schönste Pointe.

Hersteller, Entwickler, Einkäufer – und ja, manchmal auch Controller – sollten immer wieder genau hinhören, was Menschen von einem guten Produkt erwarten.

Nicht zwingend jedes Jahr ein größeres Display. Nicht noch ein zusätzliches Abo.

Sondern manchmal einfach:

Dass es funktioniert.
Dass man es reparieren kann.
Dass es lange hält.
Dass Menschen gerne daran arbeiten.
Und dass nach 28 Jahren und 314.000 Kilometern ein Mechaniker lächelt, wenn es wieder auf den Hof fährt.

Das ist für mich Nachhaltigkeit.

Bei Produkten genauso wie bei Arbeitsplätzen.

Und ziemlich verdammt gute Qualität. 

Danach verschwand sie im eben qualitativ empfehlenswerten Eiscafé Avan Gandin.
Das ist jedoch eine andere Geschichte.




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