Dienstag, 22. Oktober 2019

Fridays for Future - Photovoltaik for me

Wir haben uns angesichts der Klimaschutzaktionen wie Fridays for Future mit dem Thema Eigenbeitrag im Eigenheim beschäftigt. 

Dafür haben wir uns von einigen Anbietern für Photovoltaik (PV) beraten lassen. Denn die Sonne schickt ja schon eine ganze Menge Energie runter. Das merken wir vor allem unter unseren Dächern im Sommer deutlich. Die muss sich doch sinnvoll nutzen lassen.

Tetraeder (als Symbol für Kohlenstoff) in Bottrop mit aufgehender Sonne im Hintergrund.


Tatsächlich sieht so eine "Bierdeckel"-Kalkulation gar nicht schlecht aus:

(Sorry für den schlechten Umgang mit dem Zettel. Der lose Transport in der Handtasche tat ihm nicht gut. Ein Klick aufs Bild vergrößert die Darstellung).


Bei einem geschätzten Beispiel-Invest von 5.000€ hat man diesen in 14,6 Jahren raus.


Steigt zwischendurch der Strompreis noch schneller, sinkt auch die Zeit zur Amortisation. Verbraucht man über die Zeit mehr von dem selbst produzierten Strom, sinkt die Zeit ebenfalls. Bei uns mit zwei Kindern, die irgendwann mit eigenen Tablets und Gaming-PCs unterwegs sein dürften, ist das mehr als wahrscheinlich. Aber auch Amazons Echo mit Alexa (*A*) & Co. verbrauchen mehr als unsere alten Musik-Geräte. Kurz: Vermutlich steigt der Strombedarf unserer Haushalte und damit lohnt sich die Eigenproduktion noch mehr.

Dazu berichten einige Bekannte mit Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, dass es im Sommer auch merklich kühler geworden sei. Ein schöner Nebeneffekt.

Jetzt haben wir uns mal vom Anbieter Jürgen Hilft eine konkrete Planung machen lassen. Dafür fliegt normalerweise der namensgebende Jürgen Wiechert mit seiner Drohne über die Häuser. Da ich jedoch mit der DJI Mavic 2 Pro auch ein Modell mit guter Kamera habe (siehe mein Erfahrungsbericht), habe ich mir schon kurz zuvor im Rahmen einer kleinen Dachreparatur den Spaß nicht nehmen lassen und habe selber Luftbilder gemacht - natürlich nach vorheriger Absprache mit den betroffenen Nachbarn:




Die Bilder hat Herr Wiechert dann in ein 3D-Modell für die weitere Planung übertragen. So könnten die Module dann aussehen:



Leider erlaubt unsere Dachform nicht besonders viele Module, da wirklich nur der flachere Teil oben sinnvoll genutzt werden kann. Der untere Teil ist einfach zu steil und würde massiven Aufwand bei der sicheren Befestigung von Modulen bedeuten. 

Mit diesem 3D-Modell wird dann aufgrund der konkreten Himmelsausrichtung, der möglichen Verschattung und den durchschnittlichen Sonnenstunden über das Jahr errechnet, wie der geschätzte Ertrag aussieht. Dazu noch wieviel man selber verbraucht und wieviel man noch vom Netzbetreiber einkaufen muss:




Einspeisung


Da wir jedoch gerade im Sommer nicht alles selber verbrauchen können, was uns so aufs Dach strahlt, sieht das Geschäftsmodell vor, dass wir den Überschuss, an den lokalen Netzbetreiber, die Rheinenergie, verkaufen. Dafür erhalten wir eine gesetzlich festgelegte Einspeisevergütung. Man wird also zum Stromverkäufer. Diese Einspeisevergütung nach EEG sinkt aktuell von Monat zu Monat. Ist natürlich ein tolles Verkaufsargument, um noch möglichst schnell so eine Anlage zu verkaufen. Da die Einnahmen pro Kilowattstunde jedoch niedriger sind als der Einkaufspreis für den Strom, lohnt es sich, möglichst viel selber zu verbrauchen. 

Rechtliche Randnotiz:  Da mein Arbeitgeber Plusnet zum EnBW-Konzern gehört, könnte ich als "Stromverkäufer" ja Konkurrent des eigenen Arbeitgebers werden. Deshalb habe ich sicherheitshalber über die Personalabteilung anfragen lassen. Von der Rechtsabteilung kam dann die Info, dass in der Regel eine Anlage unter einer PV-Generatorleistung von 10 kWp (kilowatt Peak) eher als Mini-Anlage angesehen wird und kein Problem darstellt. Große Freiflächenanlagen wären schon eher ein Thema. Aber sicherheitshalber fragt man alleine schon wegen der häufig vorhandenen Klauseln zur Genehmigung von Nebentätigkeiten einfach mal beim Arbeitgeber nach. Wenn man dann sagt, dass man erst in ca. 10-14 Jahren überhaupt damit Geld verdient, aber dafür CO2-neutral Strom erzeugt, sollte es kein Thema sein, wenn man nicht direkt beim Stromanbieter arbeitet. Aber da bekommen ja zumindest die alten Hasen noch sowas wie Strom-Deputate und kommen darüber an günstigen Strom.

Verbrauchssteuerung


Für einen hohen Eigenverbrauch kann man natürlich einfach ständig das Licht anlassen. Ist aber nicht so sinnvoll. Besser ist es, wenn man stromhungrige Verbraucher wie Waschmaschinen, Trockner, Staubsaugerroboter oder Warmwassererzeuger möglichst so einstellen kann, dass sie während der Sonnenstunden laufen und dann den Eigenstrom verbrauchen. Dafür kann man den Wetterbericht studieren und direkt an vielen Gerät den Start vorbereiten. Oder man hat schon neuere Geräte wie den Sunny Home Manager von SMA (*A*), die über einen kleinen Zusatzrechner mit Smart Home Steuerung am sogenannten Wechselrichter automatisch so gesteuert werden, dass sie dann gestartet werden, wenn es nach der Sonneneinstrahlung und dem Wetterbericht am sinnvollsten ist. Nur befüllen und leeren muss man dann noch. Zumindest heutzutage.

Akkus als Stromspeicher

Toll wäre es natürlich, den Überschusstrom selber speichern und nachts bei Bedarf selber abrufen zu können. Gewerbliche Verbraucher mit viel Verbrauch in der Nacht haben den Akku refinanziert bevor er nach 5-8 Jahren platt ist.  Das ist allerdings nach unseren Recherchen bei unserem privaten Verbrauchsmodell noch nicht sinnvoll (auch wenn Senec da ganz interessante Modelle im Angebot hat). Theoretisch kann man später ja nachrüsten. Da die Akku-Module mit dem Wechselrichter zusammenarbeiten müssen, ist man je nach Anbieter später in der Auswahl der Akkus relativ beschränkt. 

Elektromobilität  

Schön wäre auch die Verbindung mit Elektromobilität. In den Prospekten steht auch immer gerne ein E-Auto vor dem Haus mit PV-Anlage auf dem Dach. Das ist schön für's Foto, aber meist sind wir ja mit den Autos tagsüber weg und eben nicht an der Solaranlage. Außerdem saugt so eine Autobatterie deutlich mehr als das, was die Sonne liefert. Aber die Technik entwickelt sich ja weiter.

Das Thema bleibt für uns aber dennoch interessant. Nächste Woche haben wir mal einen vollelektrischen Renault Zoe, Deutschlands meistgekauftes Elektroauto, zur Probefahrt zur Verfügung. Und wer weiß - vielleicht bietet der EnBW Konzern ja auch bald an, dass auch die Mitarbeiter seiner innovativen Tochterunternehmen die emissionsfreien Autos zu günstigen Preisen beziehen können. Es ist schonmal innovativ und umweltpoltisch richtungsweisend, dass er das 14.000 direkten Arbeitnehmern anbieten will.






Ein Elektrofahrrad, E-Scooter oder E-Roller wären dagegen dankbarere Verbraucher. Deren Akkus können je nach Modell viel einfacher immer wieder mal tagsüber mit der Sonnenenergie aus der Steckdose geladen werden. Hier ist es von Vorteil, wenn man auf die weniger schicken Modelle mit austauschbarem Akku setzt. Da kann man einfach einen zweiten Akku holen und den dann laden, während der erste im Einsatz ist.

Immerhin habe ich mit meiner Drohne ja schon heute ein E-Luftfahrzeug, das CO2-neutral mit Solarstrom betankt werden kann.

Förderung


Neben der Einspeisevergütung gibt es aktuell noch ein Förderprogramm der Stadt Köln, das den Aufbau von Photovoltaikanlagen unterstützt. Immerhin hat die Stadt ja den Klimanotstand ausgerufen. Da muss man auch was tun. Und wenn es dabei den (Wohn)Wert der eigenen Immobilie erhöht, ist es ja noch besser.

Angebot


Durch den individuellen Verbrauch, technische Ausstattung bei den Modulen, dem Wechselrichter und der konkreten Dachnutzung (Gaube, Sat-Schüssel, Verschattung) muss jedes Angebot individuell gerechnet werden. Bei einigen Anbietern ist die Garantiezeit besser. Bei anderen wie z.B. Solar Edge kann dank intelligenter Technik das Solarmodul deutlich effizienter genutzt werden, weil lokale Verschattung nicht zur Leistungsreduktion der ganzen Anlage führt. Andere Anbieter wie SMA kommen dafür aus Deutschland und sichern hier KnowHow und Arbeittsplätze. Da gibt es deutlich mehr Optionen als ich hier beschreiben kann.

Wir haben uns jetzt ein auf uns zugeschnittenes Angebot machen lassen, es nachgerechnet, mit anderen verglichen und wollen nun, dass uns "Jürgen hilft" beim Klimaschonen hilft und so eine Anlage aufs Dach setzt. Sein konkretes Angebot liegt zwar nun über den 5.000€, aber durch unseren hohen Eigenverbrauch sinkt trotzdem die Amortisationszeit.

Da er als Anlagenbauer nicht in ganz Deutschland wirtschaftlich anbieten kann, verweise ich noch gerne für Anfragen außerhalb des Rheinlandes auf die Senec und Yellow Strom. (Offenlegung. Das sind zwar Schwesterunternehmen meines Arbeitgebers, aber da ich dort keine Anteile halte, stehe ich dennoch persönlich ohne konkreten Eigennutz hinter der Empfehlung.)

Die Senec mit Hauptsitz in Leipzig bietet innovative Modelle wie die Strom-Cloud an.
Bei Yellow Strom aus dem schönen Köln gibt es mit dem Pachtmodell auch eine Option für Hausbesitzer, die keinen großen Eigeninvest tätigen können oder wollen.

So. Jetzt wisst Ihr auch fast alles, was die beste Ehefrau von allen und ich zum Thema wissen.

Update 10.11.2019:


Mittlerweile ist die Anlage installiert und wartet auf die Anschaltung durch den Netzbetreiber.
Die Installation hat super geklappt. Hier sind ein paar Eindrücke aus der sicheren Bodenperspektive:



Es kamen 10x 325 Watt Module von REC aufs Dach

Für so eine Arbeit muss die Balance stimmen.


Verdiente Pause in luftiger Höhe





Fertig installierte Module bei der Endkontrolle

Über die konkrete Leistung der Anlage können wir berichten, wenn sie offiziell ins Netz eingebunden wurde. Wir hatten bislang nur einen kleinen Funktionstest durchführen für die Abnahme können. Allerdings sind natürlich der November und die folgenden Wintermonate nicht die beste Zeit für die Produktion von Solarstrom. So richtig spannend wird es also, wenn ab dem Frühjahr die Tage wieder deutlich länger und sonniger werden.

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