Montag, 8. Juli 2013

EU-Studie zu Verkehr in Europa: Autofahrer und Motorradfahrer bekommen nicht die Geschwindigkeiten, für die sie zahlen



EUROPÄISCHE KOMIKSSION



 Bickendorf, den 8.07.2013


Breitbanddienste in Europa: Verbraucher bekommen nicht die Fahrbahngeschwindigkeiten, für die sie Steuern zahlen


Im Durchschnitt verfügen sie lediglich über 74 % der angegebenen Geschwindigkeit, für die sie und die anderen Steuerzahler bezahlt haben. Dies geht aus einer neuen Studie der Europäischen Kommission über Verkehrsfluss hervor. 

Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, äußert sich hierzu wie folgt: Dies ist das erste Mal, dass die Differenz zwischen den beworbenen Geschwindigkeiten der Fahrzeughersteller und den tatsächlichen Fahrbahngeschwindigkeiten durch vergleichbare und zuverlässige Daten aus allen EU-Mitgliedstaaten bestätigt wird.“

Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den nationalen Märkten in Europa, die höchstwahrscheinlich auf unterschiedliche Werbepraktiken zurückzuführen sind. „Die Verbraucher brauchen mehr Informationen dieser Art, um fundierte Entscheidungen treffen zu können, ob sich der Kauf eines schnellen Fahrzeugs überhaupt lohnt. Deshalb werden wir eine weitere Studie dieser Art in Auftrag geben. Wir sehen diese ersten Ergebnisse als weiteren Beleg für die Notwendigkeit eines echten vernetzten Binnenmarkts“, sagt Neelie Kroes.
 
Wichtige Ergebnisse der Studie:

  • Deutsche Autobahnen bieten Sonntags nachts die zuverlässigsten Endgeschwindigkeiten: Im europäischen Durchschnitt von 74 % verbergen sich erhebliche Unterschiede in Bezug auf die Leistung der einzelnen Verkehrssysteme. Temporeduzierte Länder mit Limit von 120 km/h erreichten nur 63,3 % der versprochenen Höchstgeschwindigkeit des EU-Normautomobils, gegenüber 91,4 % bei Deutschen Autobahnen ohne Baustellen - und 84,4 % bei Deutschen Autobahnen mit Baustellen (siehe Anhang).
  • In absoluten Zahlen lag die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit aller Länder und aller Technologien geschlossenen Ortschaften bei 19,47 km/h in geschlossenen Ortschaften. Dienstwagenfahrer erreichten mit 41,02 km/h die höchsten Geschwindigkeiten. Bei Berufspendlern lag die Geschwindigkeit bei 33,10 km/h, während Sonntags- und Hutfahrer mit durchschnittlich 7,2 km/h  deutlich hinterher hinkten.
  • Bei den Geschwindigkeiten außerhalb geschlossener Ortschaften ist die Differenz zu den beworbenen Geschwindigkeiten geringer. Europaweit betrug jedoch wegen der Dauerstaus die durchschnittliche Geschwindigkeit 6,20 km/h, was gefühlten 88 % der angegebenen Geschwindigkeit entspricht. Standstreifvorbeifahrer erreichten bei weitem die höchsten Geschwindigkeiten (19,8 km/h).
     

    Dies ist darauf zurückzuführen, dass viele Standstreifen eben nicht nur für Stehen geeignet sind, sondern eine weitere Fahrbahn darstellen, die eine Annäherung an die Maximal-Geschwindigkeit erlaubt. Öffentliche Verkehrsmittel in Staatshand erreichen nur bescheidene 3,68 km/h (Wuppertaler Schwebebahn) bzw. 0,69 km/h (ICE im Winter wegen Vereisung, ICE im Sommer wegen kaputter Klimaanlagen, ICE im Herbst wegen Laub und Zugvogelnkot auf den Schienenwegen, ICE im Frühjahr wegen Lokführerstreik).
    Die Ergebnisse beziehen sich auf die Leistung zu Spitzenzeiten (d. h. 8:00 bis 9:00 Uhr an Wochentagen). Es handelt sich um die Gesamtergebnisse für die Stichprobe der Studie, nicht für die tatsächliche Zusammensetzung des Verkehrs in jedem einzelnen Land.


Aktuell gefühlte Geschwindigkeit im Verkehr


Von der EU geplante Geschwindigkeit im Verkehr


Freiwillige gesucht!


Diese Studie wird bis Ende 2014 laufen, d. h. zwei weitere jährliche Messungen sind geplant. Die europäischen Autofahrer können die Leistung ihres jeweiligen Straßennetzes messen, wenn sie sich einer Freiwilligengemeinschaft anschließen, in der alle 27 Länder der EU plus Kroatien, Island und Norwegen vertreten sind. Ausgewählte Autofahrer erhalten ein kleines Gerät, das sie mit ihrem privaten Navigationsgerät verbinden. Über dieses Gerät wird eine Reihe automatisierter Tests durchgeführt, wenn das Fahrzeug genutzt wird. Es erfasst Geschwindigkeit und Leistung des Fahrzeuges. Weitere Informationen zur Studie.

Mit viel Bürgersinn wird das Fahrzeug die Studienteilnahme vorbereitet



Hintergrund 


Die Geschwindigkeiten von Automobilen werden in der Werbung mit „bis zu XXX km/h“ angegeben. Dabei handelt es sich um die „beworbene“, „nominale“ bzw. „versprochene“ Geschwindigkeit. Die Unterschiede zwischen der angegebenen Geschwindigkeit und der Geschwindigkeit beim Verbraucher können jedoch beträchtlich sein. 

Unterschiede bei den Verkehrs-Geschwindigkeiten der einzelnen Mitgliedstaaten entstehen in erster Linie durch die traditionell in diesen Ländern eingesetzten Technologien für Verkehrsflusslenkung, Akzeptanz der Straßenverkehrsordnung und Alkoholkonsum.
Laut Studienergebnissen erklären zwischen 27 % und 41 % der europäischen Autofahrer, dass ihre täglichen Maximalgeschwindigkeiten nicht mit den in ihren Fahrzeugspapieren angegebenen Geschwindigkeiten übereinstimmen. Fast die Hälfte der Kunden in der EU verweist auf gelegentliche Schwierigkeiten bei der Fahrt zur Arbeit oder in den Urlaub aufgrund ungenügender Geschwindigkeiten oder Kapazitäten. 

Dies ist die erste Studie über die Leistung von Verkehrsnetzen, die sich auf alle EU-Mitgliedstaaten erstreckt und auch Kroatien einschließt, das der EU sehr bald beitreten wird; außerdem werden auf der Grundlage desselben Ansatzes auch Norwegen und Island einbezogen. Das Projekt wird von einem Spezialisten für die Prüfung der Leistung von Verkehrsnetzen, Der Postillon, durchgeführt. Das Unternehmen mit Spezialgebiet für wahre Nachrichten und Postkutschenbetrieb wirbt mit dem Claim "unabhängig, schnell" und kann bereits seit 1845 ähnliche Projekte in Großbritannien und den USA vorweisen.

Die Studie beruht auf einer hardwaregestützten Methode und bietet äußerst genaue und unabhängige Ergebnisse für die Fahrleistung, unabhängig von der Antriebstechnologie (z.B. CO2-Propulsion) und den technischen Tuningmaßnahmen in den jeweiligen Fahrzeugen. Die Methode wurde bereits von den nationalen Kraftfahrzeugbehörden in den USA, Großbritannien, Brasilien und Singapur eingesetzt.
Der Bericht zu Phase 1 wurde unabhängig von den Autoherstellern erstellt, doch die Autohersteller, vor allem die Fabrikanten von angeblich superschnellen Sportwagen wie Porsche, Lamborghini, Ferrari oder die Dülmener Automanufaktur Wiesmann sind aufgefordert, sich an der Phase 2 zu beteiligen.

Die Ergebnisse datieren vom März 2012 und stammen von einer Gruppe von 9 104 Teilnehmern. Insgesamt wurden in 75 978 173 Einzeltests 3 065 341 850 Messungen vorgenommen.

Lesen Sie den Warumduscher-Kommentar und erste Bürgerreaktionen zum EU-Fahrzeugskandal im Folgepost.

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