Mittwoch, 31. Mai 2017

Panasonic Lumix GX80 - Kaufbericht und Test

Wer richtige Fotos machen will, braucht eine digitale Spiegelreflexkamera (DSLR). Diesen Satz würden die Fans von Canon oder Nikon sofort mit sattem Umklappen ihrer Spiegelauslöser bejahen. Warum man auch mit anderen Kameras richtige Fotos hinbekommt und warum ich mich dafür für eine Lumix GX80 entschieden habe, beschreibe ich hier in diesem Blogpost.

Welche verschiedenen Kamera-Kategorien es so gibt, habe ich schon in meinem damaligen Post zur Panasonic Lumix FZ150 beschrieben. Damals bin ich bei einer Bridge-Kamera gelandet. Mit der habe ich tolle Bilder und Videos gemacht. Reisen nach Südafrika, Norwegen oder Spanien wurden damit eindrucksvoll eingefangen.

Warum dann noch eine neue Kamera wie die Lumix GX80, wenn man schon einen tollen Allrounder im Rucksack hat? Reicht ein Alter von 6 Jahren für eine Weichenstellung zum Abstellgleis? Nun, wie soll ich es ausdrücken? Es lag nicht an ihr, es lag an mir. Ich wollte meinen fotografischen Horizont schon lange erweitern und war nun auch bereit, das von mir bislang so gern umschiffte Thema Objektivsammlung anzugehen. Das Gewicht ist dabei weniger das Thema, sondern die Diskussionen mit der besten Ehefrau von allen. Erst um das Anschaffungsbudget und dann beim Fotografieren, wenn mal wieder das falsche Glas im falschen Moment vor dem Sensor hängt. Aber nun war ich bereit.



Also musste eine DSRL her, oder? Ich hatte schon damit geliebäugelt, aber habe dank meines Tests der Systemkamera Samsung NX30 und zweier undokumentierter Tests der Olympus Modelle OM-D EM-10 und OM-D EM-5 Mark II (Danke für das Test &Wow Programm) die Stärken der spiegellosen Systemkameras zu schätzen gelernt: Kompaktheit, innovative Funktionen in der Software und komplett lautlose Aufnahmen dank elektronischem Verschluss.

Warum dann keine Systemkamera von Samsung, Olympus oder gar eine Vollformat Kamera von Sony? Mir waren neben der Fotofunktionen auch noch die Videofähigkeiten wichtig. In dieser Kategorie ist Panasonic führend. Vor allem mit seinen Flagschiffmodellen der GH-Reihe (aktuell GH5). Diese verlieren dann aber ihren Vorteil der Kompaktheit.
Langzeitbelichtung mit GX80

Durch meinen Familienzuwachs nahm das mitzuführende Gepäck eh schon deutlich zu. Anfangs Windeltasche, später Spielzeugrucksack und Anker Powerbank zum Abspielen von Feuerwehrmann Sam Videos und mittlerweile wieder die Windeltasche für das weitere Kind. 

Also sollte es ein kleineres Modell geben. Mit der Lumix GX8 hatte Panasonic schon ein spannendes Modell herausgebracht, das fast alle meine Wünsche erfüllen konnte. Stabilisierter Sensor, gute 4K-Videofähigkeiten, 4K-Fotofunktionen für Bilderreihen herumflitzender Kinder und vieles mehr. Ich fand sie nur preislich mit knapp über 1.200€ für das Kit etwas zu heftig. 

Dann kam auf einmal Mitte 2016 das kleine Schwestermodell Lumix GX80 raus (international auch baugleich als GX85 und GX7 Mark II erschienen). Bei ihr hatte Panasonic zugunsten eines attraktiveren Preispunkts einige interessante Features wie den schwenkbaren Sucher, ein voll schwenkbares Display und vor allem die Mikrofonbuchse eingespart. Dafür wussten die japanischen Produktmanager mit 4 spannenden Vorteilen zu locken:

1. Kompaktes Gehäuse im schicken Retro-Design
Macht eine schlanke Figur.
Gilt leider nicht für den Träger.



Das Gehäuse in Verbindung mit dem 12-32mm Pancake-Kitobjektiv ist so klein, dass beides Zusammen in eine Jackentasche passt oder inkl. Zubehör in eine sehr kompakte Hand- bzw. Fototasche. Damit ist sie als Immerdabei-Kamera super geeignet - auch wenn dieser Titel ja unangefochten unseren Smartphones gebührt.

Als ich dann letztens gefragt wurde, ob diese Kamera schon digital sei oder noch einen Film habe, musste ich innerlich grinsen. Diesen Effekt wollte ich. Das Ding ist wie ein Skoda Octavia vRS. Nach außen kleinbürgerliches Understatement mit geringer Attraktivität für Gelegenheits- und Auftragsdiebstähle, aber unter der Motorhaube ein Bolide. 

2. 5-Achsen-Sensorstabilisierung und Dual-IS

Was Olympus bei der OM-D schon seit Jahren hatte, wurde von Panasonic erstmals in der GX80 verbaut. Endlich hatte man den Sensor auf 5 statt "nur" auf 3-Achsen stabilisiert. Das bringt vor allem bei Festbrennweiten-Objektiven ohne optische Stabilisierung eine ganze Menge. Als Ergänzung bietetdie Kemara auch noch DUAL-IS an an. Nein, das ist kein doppelter Islamischer Staat, sondern Dual Image Stablization. Dabei wird die optische Stabilisierung in einigen Panasonic Objektiven mit der des Sensors kombiniert. Das ergibt vor allem bei Teleobjektiven mit großer Brennweite eine zusätzliche Stabilisierung und bringt je nach Bedarf eben ruhigere Videos oder schärfere, weil mit geringeren Verschlusszeiten fotografierbare Fotos. 

3. Micro-USB Anschluss für das Laden

Profis laden aus Tradition ihre Akkus gerne unabhängig von der Kamera. Das geht mit einem externen Ladegerät bei der GX80 auch noch mit günstigem Zubehör. Aber bei unseren Smartphones finden wir es auch praktisch, diese einfach an einen Standard-USB-Port hängen und laden zu können. Das geht nun mit der GX80 ebenfalls.

Und das, was ich bei meinem Smartphone liebe, finde ich auch bei meiner GX80 praktisch. Falls also Wechselakku Nr. 3 auf der Fototour leer sein sollte, kann ich einfach unterwegs die Kamera im Auto oder an der Powerbank einstöpseln und neuen Strom laden. Schöner wäre nur gewesen, wenn man dabei auch weiterarbeiten könnte (ging bei Samsungs NX30), aber faktisch kommt das viel seltener vor als der abendliche Ladevorgang am heimischen USB-Adapter. Wer nur die Kamera ohne Zubehör dabei hat und dann mit einem leeren Akku gestraft wird, wird sicher überall einen von drölfzig Milliarden Android-Handybesitzern nach seinem Ladekabel fragen können.

4. Günstiger Einstiegspreis und überschaubare Systemkosten

Das kleine Kit aus Body und dem für ein Kit-Objektiv erstaunlich scharfen 12-32mm Objektiv liegt bei Amazon aktuell bei 595€. Das ist der halbe Einstiegspreis zur GX8 gewesen und schon klasse Preis für eine Kamera mit diesen Leistungswerten.

Nicht zu verachten bei Kameras mit Wechselobjektiven sind auch die Folgekosten. Denn beim Gesamtsystem werden die Kosten für die Objektive die für den Body mit der Zeit deutlich übersteigen. Hier ist es gut, dass sich Olympus und Panasonic auf das gemeinsame Micro Four Thirds Format einigen konnten. So gibt es in diesem Mittelklasse-Segment viele Objektive - sowohl neu wie auch gebraucht. Entsprechend kann ich mit etwas Geduld viele Objektive relativ günstig auf Ebay finden.

Solange man dann auch dem Objektivsystem die Treue hält, kann man sich ab und zu einen neuen Body holen und die alten Gläser wunderbar weiterverwenden. Natürlich hoffe ich persönlich darauf, dass viele auf andere Systeme wechseln und deshalb ihre MFT-Objektive günstig an warmduschende GX80 Fotografen aus Köln abgeben.


Die Praxis

Das Fotografieren mit der Kamera macht einfach Spaß und bringt tolle Fotos. Das sah ich am Anfang so und jetzt nach knapp einem Jahr mit ca. 12.000 Auslösungen noch mehr. Kein Wunder, dass Tests wie z.B. der von CHIP sehr positiv ausfielen. Dort findet Ihr auch die technischen Angaben, die ich mir hier weitestgehend im Blogpost spare.

Sie hat schöne Automatik-Modi, die mir im Alltag viel Arbeit abnehmen. Die Augen-Fokussierung mit flottem DFD-Focus (Depht-from-Defocus) erlaubt tolle Portraits wie hier beim Firmenlauf der QSC-Köln
Der hat Bokeh falsch gescrhieben.
Objektiv: Leica 25mm f1.4

Mit einiger Erfahrung ist eigentlich wegen seiner viel besseren Möglichkeiten die Programmautomatik (P-Modus) der intelligenten Automatik (iA-Modus) vorzuziehen. 

Bei der GX80 nutze ich den iA-Modus wieder deutlich mehr als bei der FZ150. Warum? 

Mobile First! Mittlerweile verwende ich 95% meiner Bilder für reine Online-Zwecke. Da kommt es mir nicht auf die letzten Quentchen Fotoqualität an, die ich noch per Lightroom aus einem RAW herauskitzeln kann.

Wichtiger ist mir da ein gutes Ergebnis "out of camera" und ein flotter Workflow zur Weiterverarbeitung. Dies finde ich bei der GX80. Die intelligente Automatik verbessert gerade Gegenlichtaufnahmen durch den integrierten HDR-Modus deutlich. Das integrierte WLAN wiederum erlaubt die direkte Übernahme der Bilder auf mein Smartphone.

Unterwegs per Peer-to-Peer-Verbindung und daheim durch Einklinken ins heimische Netz. So kann ich sie leicht aus der Bilder-Gallerie im Handy über weitere Apps dann auf meinen Seiten/Channels auf Facebook, Google+Instagram oder Twitter teilen. Nur bei Flickr komme ich mir dabei noch etwas "schmutzig" vor. Diese stärker fotozentrierte Seite hat eigentlich höherqualitative Bilder verdient und da ist es besser, die Bilder in guter Auflösung am PC zu bearbeiten und durch Konvertierung keine EXIF-Daten zu verlieren.


Wo Licht ist, ist auch Schatten





Alles super? Natürlich nicht. Es gibt auch nervige Dinge an dem kleinen Schätzchen.


- Geringe Akkulaufzeit

Sensor-Stabi und beide Displays saugen den kleinen Akku schnell leer. Mal eben ein kleiner Walk ohne Zusatzakkus kann schon kritisch werden. Hier wäre das gleichzeitige Laden und Nutzen per USB wirklich gut. Aber mit etwas Vorbereitung geht das alles.

- Ausschalter direkt am Moduswahlrad: Switch Mode to ... damn, off again.

Der Usability-Designer für das Gerät hatte beim Powerschalter wohl einen schlechten Tag erwischt. Ständig schalte ich die Kamera versehentlich aus, obwohl man nur den Modus verändern will. Klar ist das Platz knapp, aber wenn man den Schalter nicht auf 6 Uhr, sondern 3 Uhr vom Modus-Schalter installiert hätte, wäre das Problem umschiffbar gewesen. 

- Rauschender Sensor auf der Tonspur

Sensorrauschen ist in der Fotografie eher ein optisches Problem bei Fotos im Dunkeln mit hohen ISO-Werten. Mittlerweile gibt es dazu aber auch noch ein Problem in akkustischer Form. Das Gehäuse ist so klein, dass das interne Mikrofon zwangsläufig in der Nähe des stabilisierten Sensors sein muss. So landet das von den Mikrobewegungen bei der Stabilisierung ausgehende Rauschen bei leisen Aufnahmen auch auf der Tonspur.

Hier macht sich das Weglassen des Mikrofonbuchse doppelt schmerzhaft bemerkbar. Für bessere Tonaufnahmen nehmen Profis aber sowieso externe Aufnahmegeräte wie z.B. ein Zoom H4n . Ich behelfe mir hier aktuell noch mit einem Lavalier-Mikrofon von Boya, dessen Input ich mit der hervorrangenden iOS-App Voice Recorder in hoher Qualität aufzeichnen und dann beim Schneiden als Tonspur ergänzen kann. Ist aber nur bei planbaren Aufnahmen oder Ansagen praktikabel und erfordert mehr Aufwand bei der Synchronisation im Schnittprogramm. Immerhin wurde mir so der Sinn der Klappe vor Filmszenen klarer und ich klatsche selber am Anfang der Aufnahme einmal in die Hände. Sieht debil aus, aber der synchronisierte Ausschlag in der Waveform-Kurve der Audiospuren ist Gold wert.

Fazit und Einschätzung

Restaurantboot "Alte Liebe"
zur blauen Stunde
Letztlich ist aber bei jeder Technik wie bei der Entscheidung bei einer Parlamentswahl niemals ein absolutes Optimum zu finden, sondern nur ein individuell bestmöglicher Kompromiss. Und da sind die Vorteile immer noch weitaus für mich überwiegend. Ich fotografiere mit der Kamera viel, gerne und ich denke, dass sich auch viele der Ergebnisse sehen lassen können.

Zu einem ganz speziellen Foto-Genre, der Ingress-Portalfotografie, würde ich jetzt noch gerne viel schreiben. Aber da ich hier eh schon wieder viel zu lang geworden bin, kommt das genauso wie eine Empfehlung für bestimmtes Zubehör, in einem weiteren Post zur Erwähnung.

Vielleicht hilft meine individuelle Einschätzung ja dem einen oder anderen bei der Entscheidung für oder gegen die GX80. Die GX8, G81 und GH5 sind in Sachen Ausstattung überlegene Konkurrenten aus dem eigenen Hause und die Vormodell Edel-Bridge FZ1000 bietet Einsteigern ein viel runderes Gesamtpaket zum Hammerpreis. Oder man verzwichtet ganz auf halbe Sachen bzw. vierdrittel Sensoren und geht gleich aufs Vollformat mit Sonys Alpha 7 II.

Alles exzellente Kameras... wenn da das Thema Größe nicht wäre...und auf die kommt es entgegen aller Beruhigungssätze empathischer Frauen eben doch manchmal an. 

Hier noch ein paar Beispielbilder der Kamera:












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