Montag, 26. Januar 2015

Winterdienst nachbarschaftlich organisieren: das Schneebuch

Dieser Blogpost beschreibt wie wir nachbarschaftlich unseren Winterdienst fair und vor allem funktionierend organisiert haben.

Gestern stieß ich auf diesen Tweet:

Winterdienst ist auch mehr so ein Gerücht, dass man seinen Kindern erzählt, damit wenigsten sie glauben wir hätten hier Gesetze.
 Darauf antwortete ich:


Die schönste Art, Schnee zu räumen.
Ciao Schnee. Hallo Olaf!

Was meinte ich damit?

Wir teilen uns unseren Anteil an öffentlichem Gehweg und an einem kleinen Privatweg mit 10 Anwohnern. Wenn wir nichts besonders geregelt hätten, wäre jeder selber für die gesetzeskonforme Schneeräumung seines kleinen Abschnittes zuständig.

Damit aber nicht immer alle 10 Nachbarn nur für das Räumen von ein paar Metern Gehweg aufstehen müssen, hatten wir früher den Winterdienst nach dem Prinzip der schwäbischen Kehrwoche organisiert. Zum Winteranfang wurde festgelegt, wer in welcher Woche für Schneeräumen und Streuen zuständig ist. In schneereichen Gebieten ist das ja vielleicht fair, aber hier in der Kölner Bucht wirkt sich der Golfstrom so mäßigend aus, dass wir selten mehr als 1-2 Wochen Schnee im Winter haben. Meist sogar nur tageweise. Das hat zu einer großen Ungleichverteilung beim Schneedienst geführt.



Deshalb haben wir vor einer Weile die Organisation einer Mietergemeinschaft aus Recklinghausen übernommen. Dort gibt es ein "Schneebuch". Wer in dessen Besitz ist, ist auch für den Schneedienst zuständig. Hier gibt es aber keine feste Woche, sondern man räumt dann, wenn auch wirklich Schnee liegt. Das macht man für einen Tag und wenn man damit fertig ist, trägt man sich ins Buch ein und gibt man es an den nächsten Nachbarn weiter. Entweder den nächsten oder an einen, der schon lange nicht mehr dran war. Dieser ist dann mit dem Räumen dran - am nächsten Tag oder vielleicht auch erst im nächsten Jahr.

Das Schneebuch darf man natürlich nicht einfach einwerfen, sondern muss es persönlich übergeben. Einfach in den Briefkasten schmeißen geht nicht. Das bringt ab und zu die Reihenfolge durcheinander. Aber durch das Schnee-Protokoll im Buch wird ja transparent, wenn mal die Reihenfolge etwas getauscht werden musste und auf Dauer kommen alle gleich oft dran. Wenn man in der Schneesaison das Schneebuch hat und dann mal länger weg fährt, übergibt man das Buch ebenfalls einem anderen Nachbarn für diese Zeit.

 Das hat viele Vorteile:
  • Es müssen nicht ständig alle schauen, ob sie gerade Winterdienst haben. Man bekommt es aktiv mitgeteilt.
  • Die Einsätze sind viel sinnvoller verteilt, weil nur dann geräumt wird, wenn auch was liegt. 
  • Die Einsätze sind viel gerechter verteilt, weil jeder gleich oft drankommt. Früher ärgerte man sich beim Schneeräumen schnell über die Glückspilze, die in ihrer Kehrwoche keinen Schnee hatten, aber nun den Weg freigeräumt bekommen. Der Frust ist nun "Schnee von gestern".
  • Da alle immer nur einen Tag diesen Dienst haben, ist man motivierter als wenn man eine ganze Woche früh morgens nach Flocken Ausschau halten müsste.
  • Das Schneebuch macht die gerechte Verteilung transparent.
Wer kennt diesen Token noch?

Bleibt noch offen, was ich mit "Token-Methode" meinte. Das verstehen natürlich nur alte Netzwerk-Hasen. Token ist nämlich ein Begriff, der auch in Verbindung mit  Computernetzwerken verwendet wird. Er ist sowas wie das Schneebuch. Wer ihn hat, muss/darf was tun.  Damit im Computernetzwerk nicht alle Rechner durcheinander reden, gibt es bei der Token-Ring-Architektur die Regel, dass nur der Rechner reden darf, der gerade den Token hat. In Netzwerken wird damit geregelt, wer wann in das Netzwerksegment "hineinrufen"/senden darf. Ist er mit dem Inhalt oder mit der Sendezeit fertig, gibt er ihn an den nächsten Rechner reihum weiter.

Bei Netzwerken kommt das heutzutage eher selten zum Einsatz, aber beim Winterdienst klappt es dafür bei uns umso besser.

Jetzt ist nur der ursprünglichen Tweeterin zu wünschen, dass es in ihrer Nachbarschaft ähnlich gut FUnktioniert.





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