Freitag, 25. Oktober 2013

Das Kartoffelexperiment - Mittelstand versus Konzern

Vergleich von Vorgehensmodellen beim Startup/Mittelstand und im Konzern am Beispiel der “Zubereitung einer Ofenkartoffel”


So bereitet ein Startup bzw. kleine/mittelgroße Firma eine Kartoffel zu:



  1. Es wird eine Anleitung bei YouTube angeschaut.
  2. Man heizt einen neuen, hochwertigen Herd auf 200 Grad.
  3. Man legt eine große Folienkartoffel hinein.
  4. Man wendet sich in den folgenden 45 Minuten einer produktiven Aufgabe zu.
  5. Dann wird überprüft, ob die Kartoffel gar ist.
  6. Man nimmt die gekochte Kartoffel aus dem Herd und serviert sie.




So bereitet ein Konzern eine Kartoffel zu:



Man gründet ein Projektteam und definiert genauestens alle Einzelheiten des Projektes. Das Team sucht 6 Monate nach einem ISO 9001 zertifizierten Kartoffellieferanten und findet keinen. Dann wird der schon im Lieferantenverhältnis stehende Rübenlieferant durch Androhung eines Lieferantenwechsels gezwungen, Kartoffeln zu liefern. Da er keine Kartoffeln im Programm hat, kauft er sie von einem unzertifizierten Kartoffelhändler und schlägt 25% auf den Kartoffelpreis auf.

Der Rübenlieferant wird beauftragt, den Herd auf 200 Grad vorzuheizen. Man verlangt, dass der Lieferant zeigt, wie er den Knopf auf 200 Grad gedreht hat und erwartet, dass er Informationsmaterial des Herdherstellers beibringt, aus dem hervorgeht, dass der Herd richtig geeicht ist.

Man überprüft das Informationsmaterial und veranlasst dann den
Lieferanten, die Temperatur mit Hilfe eines zertifizierten Temperaturfühlers zu überprüfen und weist den Lieferanten an, die Kartoffel in den Herd zu legen und die Zeituhr auf 45 Minuten zu stellen.

Man veranlasst den Lieferanten, den Herd zu öffnen, um zu zeigen, dass die Kartoffel richtig platziert wurde und erbittet eine Studie, die beweist, dass 45 Minuten die ideale Garzeit für eine Kartoffel dieser Größe ist. Es folgt:

·         nach 10 Minuten eine Prüfung, ob die Kartoffel gar ist,
·         nach 11 Minuten eine Prüfung, ob die Kartoffel gar ist,
·         nach 12 Minuten eine Prüfung, ob die Kartoffel gar ist,
·         man wird ungeduldig mit dem Lieferanten (warum dauert es so lange, eine einfache Kartoffel zu kochen?) und veranlasst einen aktualisierten Gar-Statusbericht alle 5 Minuten.

Nach weiteren 15 Minuten wird wieder geprüft, ob die Kartoffel gar ist. Nach 35 Minuten kommt man zu dem Schluss, dass die Kartoffel fast fertig ist.

Man gratuliert dem Lieferanten, dann informiert man den Lenkungsausschuss über das hervorragende Arbeitsergebnis, das erzielt wurde, obwohl man mit einem unkooperativen Lieferanten zusammenarbeiten musste.

Nach 40 Minuten Garzeit nimmt man die Kartoffel aus dem Herd, um eine Kosteneinsparung ohne Wert und Qualitätsminderung der Kartoffel im Vergleich zu der ursprünglich angesetzten Garzeit von 45 Minuten zu realisieren.

Man serviert die Kartoffel und wundert sich, wie zum Teufel der Startup/Mittelstand so eine gute, preiswerte Kartoffel kochen kann, die den Leuten offensichtlich besser schmeckt als die Konzernkartoffel.

Zwischenzeitlich gibt es verschiedene Verbesserungsvorschläge des Managements:
·         Man könnte Rüben in Kartoffelform verwenden, um Kosten zu sparen.
·         Der fehlende Kartoffelgeschmack soll dann in einer Imageoffensive den Kunden als neues Qualitätsmerkmal dargestellt werden.
·         Es wird gefordert, bei 20% geringerer Gartemperatur im Herd die Garzeit um 20% zu verkürzen.
·         Man prüft, ob es nach einer Verlagerung des Herdes nach Indien noch möglich ist, die Kartoffeln in Deutschland heiß zu servieren.



Hinweis:Der Text stammt nicht vom Blogger. Trotz ausführlicher Recherche im Netz konnte ich keinen Urheber, sondern nur viele, viele Varianten ausmachen. Sollte der nachweisliche Urheber genannt werden wollen oder der Veröffentlichtung widersprechen, bitte ich um entsprechende Kontaktaufnahme. Ich ziehe keinen wirtschaftlichen Nutzen aus dem Hosten dieses Textes. Aber dafür umso mehr Freude. Genauso wie aus den inspirierenden Beispielen, die auf der Scheissprojekt-Website zusammengetragen wurden.


Ich bin gut in Form. Leider in der Form einer Kartoffel.

1 Kommentare:

Ralph Steins hat gesagt…

Lol. Ein Anwalt würde sagen: Die Kartoffel ist mutmasslich fast gar.

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