Sonntag, 29. September 2013

Fasse Dich kurz! Überholt oder topaktuell?

Soll man auch in E-Mails und SMS immer höflich mit Titel, Anrede und Grußformel kommunizieren oder bleibt es wie der handgeschriebene Brief als Relikt im letzten Jahrhundert zurück? Ein paar Gedanken zum Umgang mit Menschen 2.0 .

Die Unter-20-Generation weiss gar nicht mehr, dass man früher einfach nicht überall ein Telefon aus der Hosen- oder Handtasche hervorzaubern konnte (was einige heute natürlich auch an den unpassendsten Orten tun). In dieser Zeit gab es noch viel mehr öffentliche Fernsprecher/Telefonzellen als heute. Da man sich diese mit anderen teilen musste, gab es dabei dann in früheren Zeiten sogar den Hinweis "Fasse Dich kurz!".

Die moderne Technik hat nicht nur die Telefonie verändert, sondern auch die Schriftkommunikation. Förmliche Briefe sind E-Mails oder gar SMS gewichen. Kurze Antworten auf E-Mails sind in und klingen richtig schön manager-like. Ich bin jedoch immer wieder zwischen hin- und hergerissen. Auf der einen Seite mag ich den Kommunikationsknigge, der Dinge wie Anrede und Grüße als Ausdruck von Respekt und Wertschätzung beschreibt. Andererseits verstehe und schätze ich den Nutzen kurzer, knapper Antworten.


Aber verstößt knapp gleich gegen Knigge? Nein, denn ausgerechnet der Freiherr von Knigge schrieb in seinem Werk "Über den Umgang mit Menschen" im 16. Kapitel des ersten Buches:
Ich möchte gern, wenn es möglich wäre, alles leere Geschwätz aus dem Umgange verbannt sehn; möchte, daß man - ohne Ängstlichkeit - auf sich acht hätte, nie etwas zu sagen, wovon der, welcher es anhören muß, weder Nutzen noch wahres Vergnügen haben, woran er weder mit dem Kopfe noch mit dem Herzen Anteil nehmen könnte.
Deshalb ist es sogar im Sinne des Freiherrn, wenn man eine Art Knigge 2.0 formuliert. Mir gefällt hierbei der VRSE-Ansatz sehr gut.

VRSE steht für "very short reply expected". Hierbei erklärt der Sender einer E-Mail in seiner Signatur aktiv den Verzicht auf Höflichkeitsformeln. Bloggerin Peggy hat das  Prinzip und ein konkrete Umsetzungbeispiel hierbei sehr schön in ihrem Blog Hau-in-die-Tasten sehr schön beschrieben.
So einen VRSE-Hinweis finde ich sogar wertschätzender als die reinen Formeln. Der Sender versichert nämlich dem Empfänger vorab, dass er den gegenseitigen Respekt als gegeben sieht und genau deshalb auf die für beide Seiten lebens- und arbeitszeitfressende Formelsprache verzichten kann.
Allerdings sollte das nicht überhand nehmen. Denn auch Knigge wusste, dass Menschen auch ab und zu von Herz zu Herz kommunizieren müssen:
Übrigens tadle ich auch nicht ein gut gemeintes Höflichkeitswort, ein verdientes, bescheidenes, zu fernerm Guten ermunterndes Lob.
Kommentare gerne gemäß vsre.info oder in epischer Breite - ganz wie es beliebt.

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