Samstag, 16. Juni 2012

Qualität der Initiative Netzqualität (3)


Diese Punkte werde ich behandeln:
  1. Wenn ich ein Brot bestelle, will ich kein Brötchen haben 
  2. Wer glaubt, dass der BNetzA-Testclient die reine Netzqualität misst, glaubt auch dass Fallschirmjäger Fallschirme jagen
  3. Die unermesslichen Weiten der divenhaften TAL
  4. Besseres Glaskugel lesen dank Glasfasern

Die unermessliche Länge der divenhaften TAL

Aber warum ist es nun so schwer, alleine für die TAL (Teilnehmeranschlussleitung) eine vernünftige Aussage über ihre Leistungsfähigkeit zu machen?



Viel Wind um nichts?
Im Unternehmensblog der QSC hat die Juristin Carina Panek in einem Beitrag über die Mindestqualität gut dargestellt, was der Gesetzgeber fordert und dass diese Angabe gar nicht so einfach ist. Vor allem vor der Anschaltung einer Leitung sind einfach zu viele Parameter unklar.

So hat zum Beispiel mein privater Q-DSL office Anschluss laut Produktinformation eine Geschwindigkeit von "16.000 / 1.024 kbit/s" . Also 16 MBit (Megabit) pro Sekunde in Empfangsrichtung und 1 MBit in Senderichtung.

In der Fußnote steht dann:
Die angegebenen Übertragungsbandbreiten sind stets Maximalwerte. Die Verfügbarkeit der Bandbreite ist abhängig von der Leistungsfähigkeit der anbietenden Server im öffentlichen Internet, der Qualität der Teilnehmeranschlussleitung sowie von den im Nutzungszeitraum bestehenden Netzauslastungen.

Ich befinde mich gerade in einer Umzugsphase von Wohnung zu Haus. Dabei habe ich im Haus schon die DSL-Leitung mit einer FRITZ!Box 7170 in Betrieb genommen. Die Leitung hat vom Technikraum des Anbieters bis zum meinem Haus eine Länge von 600 Meter. Damit ist sie also eigentlich sehr gut für die volle Geschwindigkeit geeignet. QSC stellt hierbei auch die maximal mögliche Geschwindigkeit bei der DSL-Vermittlungsstelle (DSLAM) ein.

Dennoch zeigt die FRITZ!Box nur 15 MBit in Empfangsrichtung an:
Woran liegt das? Das könnte wieder am gleichen Problem mit dem AVM-Chipsatz liegen, der sich nicht so gut mit der DSL-Vermittlungsstelle versteht wie der in der Thomson Speedtouch.

Erfahrungsgemäß liegt es bei den meisten Kunden mit so kurzen Leitungen aber nicht mehr am Chipsatz, sondern an an der Beschaffenheit der Teilnehmeranschlussleitung (TAL). Die Leitung von der Telekom zu meinem Haus besteht nicht aus einer durchgehenden Kupferdoppelader. Vielmehr wird die Leitung über mehrere Abschnitte geführt.

Das hat der Blogger Christoph in seinem Blog Provider-Störung im Post "Das Kabel ins Netz" ganz schön erklärt:



Die TAL geht im aller einfachsten Fall vom HVt (Hauptverteiler, ein Gebäude der Telekom) zum KVz (Kabelverzweiger, graue Kästen auf der Straße) zum APL (Abschlusspunkt Linientechnik, grauer Kasten im Hauskeller). Von dort geht dann noch die Endleitung zur TAE (Telefonanschlusseinheit) in die Wohnräume. Durch weitere Verteiler und Unterverteiler kann es noch komplizierter werden.

Telefonleitungen sind Stückwerk


Die Leitung ist also gar nicht durchgehend, sondern ist Stückwerk. Bei mir sind es 3 Abschnitte:

6m Hauptkabel
41m weiteres Kabel
551m Verzweigerkabel .



DSL zu langsam?
Einfach mal den KVz knuddeln!.
Dabei sind diese Abschnitte aber nicht nur unterschiedlich lang, sondern haben auch noch unterschiedlich große Adernquerschnitte. Wie bei einem Wasserrohr kann man sagen, dass durch ein Kabel mit großem Querschnitt das Signal besser durchkommt als bei einem kleinen.

 So sehen die Werte bei mir aus:
0,6 mm² für die 6m Hauptkabel
0,5 mm² für die 41m weiteres Kabel
0,4 mm² für das Verzweigerkabel

Es geht also wie bei einem Wassernetz vom "dicken" ins "dünne".
Überall wo die Übergänge sind, kann es aber zu Störungen kommen, weil z.B. ein Draht nicht korrekt mit dem anderen verbunden wurde. Dazu kommen viele andere Probleme rund um Dämpfung, Übersprechen, usw., die meine Kollegen aus der Abteilung mit den DSL-Ingenieuren gerne aus Vollständigkeitsgründen in diesem Post drinstehen hätten, aber hier den Rahmen sprengen würden.

DSL-Leitungsfehler? Ich versteh nur Bahnhof!


Das Ergebnis kann aber in jedem Falle sein, dass QSC mit vollen 16 MBit/s in die Leitung hinein sendet, aber bei dieser Geschwindigkeit zu viele Bits verloren gehen.

Das ist so als wenn ein schnell sprechender Freund mit Dir in einem lauten Bahnhof spricht. Wenn nur kleine Wortfetzen verloren gehen, kannst Du die fehlenden Teile leicht durch Nachfragen ersetzen. Irgendwann geht aber soviel verloren, dass vor lauter "habe Dich akkustisch nicht verstanden"-Nachfragen kein sinnvolles Gespräch mehr möglich ist. In diesem Falle bittest Du den Freund einfach etwas langsamer zu sprechen. Dann gehen zwar vielleicht immer noch kleine Teile verloren, aber die kann Dein Gehirn ergänzen.

Suboptimal installiert
So ähnlich funktioniert die Bitratenanpassung und Fehlerkorrektur bei DSL. Der Provider reduziert also die Bandbreite nicht, weil er dadurch unglaublich Geld an Dir spart, sondern weil sonst die Datenübertragung zu instabil/fehleranfällig wird (Stichwort: Signal-Rausch-Verhältnis). Beim Surfen auf Webseiten mögen 1-2 Sekunden Verzögerung für Neuübermittlung von Daten noch akzeptabel sein. Beim Telefonieren ist es das aber nicht.

Soviel zur Schwierigkeit, eine Mindestqualität der Leitung zu garantieren. Deshalb sind ja die meisten Provider dazu übergangen, gar keine konkreten Geschwindigkeiten mehr anzubieten, sondern sagen, dass sie auf Basis der verfügbaren Infrastruktur das Maximum aus der Leitung für Dich herausholen werden und das können je nach Technik eben bis zu so-und-soviel Megabit sein.


Ist dem Leser dieser Zeilen beim obigen Bild von meiner Fritzbox eigentlich aufgefallen, dass die Senderichtung mit 1151 kBit/s sogar schneller als die zugesicherter 1024 kBit/s ist. Im Gegensatz zum Metzger wird hier bei "darf's ein bisschen mehr sein?" dieses Mehr an Leistung nicht extra berechnet.

Wie kann an dann aber doch zu einer Lösung in Richtung messbare und höhere Netzqualität kommen? Meine Idee dazu kommt im nächsten und letzten Teil der Reihe.

  1. Wenn ich ein Brot bestelle, will ich kein Brötchen haben 
  2. Wer glaubt, dass der BNetzA-Testclient die reine Netzqualität misst, glaubt auch dass Fallschirmjäger Fallschirme jagen
  3. Die unermesslichen Weiten der divenhaften TAL
  4. Besseres Glaskugel lesen dank Glasfasern

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